ZAUDERWUT

Ein Hörspiel (52 min) von Bettie I. Alfred aus der Wut-Trilogie

„Die Schwäche ist das Ergebnis des Sich-Selbst-Überlassenseins und zeigt sich aber in der Unfähigkeit, sich zu entscheiden, und manifestiert sich in einem beständigen Zaudern.“
aus Melancholie, Làszló F. Földènyi

„Das Kind in Lissy lenkt alle, sie selbst ist aber unfähig zu handeln. Ihr Konstrukt eines mißlingenden Lebens, das sie selbst erschaffen hat, führt dazu, dass Sie im Grunde nicht mehr mit der konkreten Wirklichkeit umgehen kann. Frau Alfred produziert die Welt der Lissy Heiliger in weiten Stücken, übrigens mit durchaus realen Elementen, als absurdes, teilweise urkomisches Theater und bringt es darin zu einer immensen Intensität, in gewisser Weise zu einer Perfektion des Kaputten. Im Gegensatz zur REISEWUT-Protagonistin, fällt es hier deutlich schwerer sich mit der Hauptfigur zu identifizieren.
Das Stück ist in seiner Penetranz eine harte Auseinandersetzung mit dem Leben, das hier nie zu einer gelingenden Selbstverständlichkeit werden kann. Der kaputte Klang, die ständigen Störungen als Metapher einer ewig zaudernden Frau, das ist faszinierend und fordert einem jedoch viel ab. Man meint ab und zu das Freudsche Prinzip der Psychoanalyse: – Erinnern – Wiederholen – Durcharbeiten – wieder zu erkennen.“

Karl-Heinz Niedermeyer, Germanist, Historiker, Friedensforscher

Zauderwut© Bettie I. Alfred (Privatsammlung)

Von und mit: Bettie I. Alfred (Lissy Heiliger), Jens Harzer (Ehemann), Leopold von Verschuer (Vater), Daniel Höpfner (Erzähler), Paul Affeld (Barkeeper), Jennifer Wiggert (Kapitel und Überschriften )

Text, Regie, Musik und Sounds sowie Aufnahmen und Tontechnik: Bettie I. Alfred

Inhalt:
Lissy Heiliger eine nervös-zerstreute Frau mittleren Alters, bespricht notorisch Tonbänder, sie rekapituliert und protokolliert, manchmal beängstigend genau. Gegenwärtiges verschwimmt mit Erinnertem. Sie ist alt und jung zugleich. Der Mann ist bei ihr und doch erreicht er sie nicht. Auch einen Vater gibt es. Jedoch nur noch einen halben, denn er lebt in einer Anstalt und kann sich nicht mehr an sie erinnern. Er zeichnet den ganzen Tag Labyrinthe.
Lissy Heiliger, eine ganz normale mittelalte kleine Frau und doch nicht recht auf dieser Welt zuhause.

ZAUDERWUT ist ein minimalistisch gefertigtes Hörspiel, das einen mit wehmütiger Eigenwilligkeit und seiner Komik des Scheiterns hineinzuziehen vermag in den menschlichen Kosmos einer zaudernden Seele.
Das Kind aus REISEWUT  (Erstsendung 2019 RBB Kultur, Übernahme SRF, BR2) ist „mehr oder weniger“ eine Frau geworden.
Ein weiteres Stück aus Bettie I. Alfred´s Wut-Trilogie die mit REISEWUT, einem Drama zwischen Vater und Tochter, begann. Den Vater spricht wieder, wie im Vorgänger, Leopold von Verschuer, den Ehemann Jens Harzer.

Frau Alfred arbeitet am liebsten mit wenig Technik und viel (eigenem) Text.
„Ich möchte am Morgen aufstehen und den Text einsprechen. Egal ob es stürmt oder schneit. Die Sprecher möchte ich so pur wie möglich „einfangen“. Sie am liebsten nur einmal aufnehmen. Die Seele hört man sofort, egal, ob der Mensch ein ausgebildeter Sprecher ist, oder nicht. Auch mit den „Fehlern“ zu arbeiten, das macht mir persönlich, besonders als Tochter eines Deutschlehrers, viel Spass! Den Rotstift empfand ich schon immer als kreativitätstörend !“
Die Tonebene entsteht parallel zum Sprachteil. Geräusche und Stimmungen werden hergestellt, gesammelt und angelegt. Wie ein Scheiterhaufen aus Holzsplittern gebaut wird, um ihn in Brand setzen zu können, baut Frau Alfred aus vielen Einzelteilen ein Hörspiel zusammen, um am Ende immer eine Welt erschaffen zu haben, die man nicht mehr so leicht aus dem Ohr bekommt.

Kurzinterview mit Stella Rindvieh zur Zauderwut 

Eimer
Bettie I. Alfred beim Schrei in den Blecheimer ,  Januar 2020

© Bettie I. Alfred, Balkonstudio 2020


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