ZAUDERWUT (2)

Ein Hörspiel (52 min) von Bettie I. Alfred aus der Wut-Trilogie

„Die Schwäche ist das Ergebnis des Sich-Selbst-Überlassenseins und zeigt sich aber in der Unfähigkeit, sich zu entscheiden, und manifestiert sich in einem beständigen Zaudern.“
aus Melancholie, Làszló F. Földènyi

Zauderwut© Bettie I. Alfred (Privatsammlung)

Von und mit: Bettie I. Alfred (Lissy Heiliger), Jens Harzer (Ehemann), Leopold von Verschuer (Vater), Daniel Höpfner (Erzähler), Paul Affeld (Barkeeper), Jennifer Wiggert (Kapitel und Überschriften )

Text, Regie, Musik und Sounds sowie Aufnahmen und Tontechnik: Bettie I. Alfred

Inhalt:

„Das Kind in Lissy lenkt alle, sie selbst ist aber unfähig zu handeln. Ihr Konstrukt eines mißlingenden Lebens, das sie selbst erschaffen hat, führt dazu, dass Sie im Grunde nicht mehr mit der konkreten Wirklichkeit umgehen kann.
Frau Alfred produziert die Welt der Lissy Heiliger in weiten Stücken, übrigens mit durchaus realen Elementen, als absurdes, teilweise urkomisches Theater und bringt es darin zu einer immensen Intensität, in gewisser Weise zu einer Perfektion des Kaputten. Im Gegensatz zur REISEWUT-Protagonistin, dem Kind im Stück, das Frau Alfred zuvor gemacht hat, fällt es hier etwas schwerer sich mit der Hauptfigur zu identifizieren. Es entsteht jedoch dadurch eine grössere Distanz, die das Stück, das in seiner Penetranz streckenweise eine harte Auseinandersetzung mit dem Leben ist, eher als eine Inszenierung als eine Realität erleben lässt. Die Realität einer zauderwütigen Frau, deren Leben hier nie zu einer gelingenden Selbstverständlichkeit werden kann.
Der stellenweise kaputte Klang, die ständigen Störungen als Metapher einer ewig zaudernden Frau, das ist faszinierend und fordernd zugleich. Man meint ab und zu das Freud`sche Prinzip der Psychoanalyse: Erinnern – Wiederholen – Durcharbeiten wieder zu erkennen.“

ZAUDERWUT ist ein minimalistisch gefertigtes Hörspiel, das einen mit wehmütiger Eigenwilligkeit und seiner Komik des Scheiterns hineinzuziehen vermag in den menschlichen Kosmos einer zaudernden Seele.
Das Kind aus REISEWUT  (Erstsendung 2019 RBB Kultur, Übernahme SRF, BR2) ist eine Frau geworden.
Ein weiteres Stück aus Bettie I. Alfred´s Wut-Trilogie die mit REISEWUT, einem Drama zwischen Vater und Tochter, begann. Den Vater spricht wieder, wie im Vorgänger, Leopold von Verschuer, den Ehemann Jens Harzer.

 

Zur Arbeitsweise und Form:

Frau Alfred arbeitet am liebsten mit wenig Technik und viel (eigenem) Text. „Ich möchte am Morgen aufstehen und den Text einsprechen. Egal ob es stürmt oder schneit. Deshalb arbeite ich am liebsten zuhause lediglich mit einem guten Aufnahmegerät und dem Computer. Mit den Sprechern verfahre ich am liebsten ebenfalls auf einfache Weise. Bevorzuge sie so pur wie möglich „einzufangen“, will sie am liebsten nur ein einziges Mal aufnehmen. Denn oft, so habe ich die Erfahrung gemacht, ist der erste Versuch der passendste. Wie beim Improvisieren mit Schauspielern, soll am besten die Seele und nicht der Kopf sprechen und das tut sie bei mir zumindest am besten, wenn wenig Technik sichtbar ist. Ganz egal, ob der Mensch ein ausgebildeter Sprecher ist, oder ein Laie, versuche ich nicht zu viel vorzugeben und auch mit den „Fehlern“ zu arbeiten. Das macht mir persönlich, besonders als Tochter eines Deutschlehrers, der viel den Rotstift ansetzte, viel Spass und es kommen beim Zusammensetzen der Aufnahmen oft Situationen heraus, die man sich im Voraus nicht „erträumen“ hätte können.

Kurzinterview mit Stella Rindvieh zur Zauderwut 

Eimer
Bettie I. Alfred beim Schrei in den Blecheimer ,  Januar 2020

© Bettie I. Alfred, Balkonstudio 2020