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II-1002 Irrknäuel

Mai 30, 2020

Fand neulich mal wieder ein muffiges Buch auf der Strasse. Ich gebe zu, dass mich nicht unbedingt immer nur der Inhalt eines solchen interessiert. In diesem Fall war es das Wort Chinchilla, das im Titel vorkam und mich sozusagen anlockte. Es war eindeutig ein Buch aus den 60er Jahren. Sein Autor war und ist mir vollkommen unbekannt. Hier sieht man ihn vermutlich mit seinen Lebensgefährten.

Die Frisur der Frau werde ich bei mir so leider nicht hinbekommen, finde sie aber ziemlich angenehm. Am Modell der Brillen, es scheint so eine Art „Ehe-Set“ gewesen zu sein (schade, dass der Hund anscheinend keine brauchte), sieht man, dass die Mode und die Designwelt nicht viel Neues bringt. 60 Jahre später sieht man genau diese Art Brillen als neueste Modelle in Auslagen von Brillenläden liegen. Nicht dass ich sie nicht mögen würde. Im Gegenteil, bitte alles immer wieder aus dieser Zeit übernehmen! Es war ästhetisch gesehen die beste. So meine Meinung. Hunde sehen immer gleich aus, ihr Design ist zeitlos. Weil mein Willen zum Mißverständnis in gewisser Weise sehr gross ist, da diese Art des Denkens mich im Kopf beweglich hält, lehne ich mich, die Literatur betreffend, immerzu ( nicht immer zu !) weit aus dem Fenster. Es ist mir ganz egal, ob ich mich dabei gedanklich veheddere, denn der Prozess des Enthedderns interessiert mich gewissermassen sowieso nicht. Das Leben ist und bleibt bei den meisten Menschen zumindest ein riesiger Irrknäuel. Ständig tut man etwas, was man wenige Minuten später schon bereut und muss dann wieder neue Wege beschreiten, um nicht gegen die entstandenen Wände zu laufen. Die meisten Wände sind momentan aus Plexiglas oder gleich virtuell.
Ich habe das Buch des selbstverliebten Nachbarn von Thomas Bernhard, der tatsächlich an einer Stelle darin erwähnt, dass Thomas B. einen Furz gelassen hat, als sei das eine wichtige Sache für uns Nachkommen, wieder abgegeben. Es war, tatsächlich, Verzeihung, unangenehm wichtigtuerisch inszeniert. Selber schuld, wer meint, dass nur weil einer der Nachbar von einem, der schrieb, war, der automatisch ebenfalls interessante Sachen zu bieten hätte. Nun lese ich IONESCO. Wer hätte gedacht, dass er das traurigste aller Schriftstellerherzen hatte? Ich kenne ja von ihm nur die Nashörner. Wer nah am Rand steht, sollte dieses Tagebuch nicht lesen. Er schreibt Sätze, die man dann nicht mehr recht aus dem Kopf bekommt. Einer der harmlosen und doch ins Mark treffenden ist folgender : Gerade die Furcht zu irren führt zum Irrtum! Das ist ein ähnliches Denken wie bei Thomas B., der schreibt, dass wenn er besonders garstig gewesen war, er sich dann plötzlich sehr gerne enorm freundlich verabschieden würde. Womit ich indirekt wieder beim Irrknäuel gelandet bin. Kein Wunder, dass Kinder immer mit dem Urknäuel beginnen, wenn sie zu malen anfangen.

P.S: Merke gerade, je mieser ich gelaunt bin, desto fröhlicher wird das Geschriebene. Merkwürdig.

30.Mai 2020 © Bettie I. Alfred