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Und wieder nicht nach Melanesien

Mai 8, 2017

Gestern Freuds Ergänzungsband Behandlungsmethoden verkauft. Das Problem ist, dass das relativ alte Buch am unteren Umschlagrand von einem Nager fein säuberlich angenagt worden ist. Da das Cover rot ist, sticht das halbkreisförmig abgenagte Papierfarbene stark ins Auge. Die Ab- bzw. Annagung geht zum Glück nur bis zum Vorwort, so, dass das Buch einwandfrei verwend- bzw. lesbar ist. Nun hatte ich das Ganze in der Anmerkung zum Artikel beschrieben. Ich hatte mich jedoch sehr kurz gefasst dabei und nur „Umschlag bis Vorwort kreisförmig von Nager angenagt, sonst guter Zustand“ in das vorgesehene Feld geschrieben. Nun hat es also jemand gekauft und aus der Erfahrung weiss ich, dass Käufer diese näheren Erläuterungen zum Zustand oft nicht lesen. Ich schrieb dem Käufer also eine Mail, indem ich ihn fragte, ob er die Zustandsbeschreibung gelesen hätte und wenn nicht, dass er sie hier nun mühelos lesen könne und fügte die Beschreibung: „Umschlag bis Vorwort halbkreisförmig von einem Nagetier angenagt, sonst guter Zustand“ noch einmal deutlich sichtbar in die Mail ein.
Bis jetzt habe ich keine Antwort erhalten und bin unsicher was ich nun tun soll.
Ich befragte natürlich schon meinen Mitbewohner dazu, der ebenfalls Erfahrung mit Onlineverkäufen hat, der sich jedoch lediglich als eine Art Pontifex maximus aufspielte und mir keine rechte Hilfe war, was die Entscheidung betraf, das Buch loszusenden, oder eben nicht.
Um mich vom Thema abzulenken kümmerte ich mich dann erst einmal um eine kranke Balkonpflanze. Sie ist von einem schlauchförmigen Pinselschimmel befallen, aus dem man früher angeblich einmal Penecillin gewonnen hat. Was für eine widersprüchliche Geschichte. Einerseits massakriert der Befall die in Besitz genommene Pflanze und andererseits ist er selbst zur Herstellung eines lebensrettenden Medikaments von Nöten.
Das Pekuinäre betreffend, ist das Opfer übrigens eine sehr edle Dickblattpflanze mit einer wundervollen stark leuchtenden Blüte. Somit sollte ich den Pilz entschieden behandeln. Doch auch die Behandlung erfordert ein Mittel, das relativ viel Geld kostet. Die Moneten, die ich durch das Freudbuch einnehmen hätte können, wären also diesbezüglich ein guter Ausgleich zum Schimmelmittel gewesen. Für einen Urlaub in Melanesien reicht es sowieso nicht, den hätte ich aber nötig, wegen dem bisher weiterhin ausbleibenden eindeutigen Frühlingsbeginn.
Vermutlich werde ich bis ins Greisenalter nicht mehr meine Wohnung verlassen. Da ich inzwischen eine Art privates Museum betreibe, kommen zudem ständig Menschen zu Besuch, anstatt, daß ich mich endlich wieder mit ihnen in der Natur oder sogar in einem Cafe treffen täte. Wie man es macht, ist es falsch. Hauptsache man hat noch genug Lebenszeit, um irgendwann noch einmal das Draussen, eventuell sogar ein Ausland, erleben zu können.

© neu überarbeitet am 16. Mai 2020 , Bettie I. Alfred