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A boy, who loved animals, because they accepted him as he was

März 12, 2020

Ein Abend allein zu haus. Selbst die Katze bleibt aus. Sie ist zwar irgendwo, aber ich bemerke sie nicht und somit ist sie nicht existent. In der Übergangszeit sucht sie die Restwärme eines Ofens und bleibt dort, wo sie welche findet. Ich dagegen suche Stoffe. Lebensstoffe. Überall finde ich die. Nur meist nicht im eigenen Leben, da ist oft nichts zu holen. Ich schaue mir dann aus Mangel eine Dokumentation an. Einen alten behäbigen unangenehm amerikanisch wirkenden Film. Er handelt von einem jungen Mann, der mal sehr berühmt gewesen war. Sein Konterfei erscheint deshalb auch immerzu in diesem Film. Komisch, wie man immer meint jemanden zu kennen, von dem man schon mal ein paar Fotografien gesehen hat. Beim Schauen der Dokumentation erinnere ich mich dann gut daran, dass ich den Film mit dem dieser Mann seine Prominenz erlangte, tatsächlich schon einmal gesehen habe und ich somit sogar mehr von ihm kannte, als nur ein paar Fotografien. Der Film mit dem der Mann berühmt wurde lief nämlich bemerkenswerter Weise im Hintergrund, als ich vor Jahrzehnten mit dem Vater als Dreizehnjährige im tiefsten Bayern eine Art Mutter von ihm, besucht habe. Der Fernseher der Frau, die so eine Art Großmutter von mir war, war damals auf leise gestellt und ich blickte gebannt auf das flimmernde Fernsehbild, als die alte Frau und der Vater sich plötzlich unverhofft umarmten. Es traf sich gut, dass dieser Film in diesem Moment mein Interesse längst geweckt hatte, denn so störte ich das Zwischenmenschliche, was sich vollzog nur noch bedingt. Die alte Frau, in ihrer mir vollkommen unverständlichen Sprache, begann dann nämlich, als die Umarmung sich dem Ende neigte, heftig auf den Vatermensch einzureden und dabei sogar ein wenig zu weinen. Eine Situation, die ich, trotz der fernsehtechnischen Ablenkung nicht mehr vergessen würde. Die Szene, die ich parallel zu all dem also erlebt hatte, war dann die, in der der junge Hauptdarsteller dem gerade von einem Polizisten erschossenen Freund die Jacke schloss. Eine sehr ergreifende, ja mich damals sogar  schockierende Szene.  Diese Doppelsituation: einmal der Vater und die, sagen wir ruhig, Stiefmutter, die sich versuchten zu mögen, ohne jedoch eine Chance darauf zu haben, einen inneren Frieden miteinander zu finden ( zwischen Menschen dieser Art passiert ja meist viel zu viel um in Minuten Nähe herstellen zu können, wo keine ist) und dann diese Filmszene in Schwarzweiss, haben sich in mir dann zu einem einzigen Klumpen vereint und der Versuch die Szenen  auseinanderhalten zu wollen, mißlingt mir seit Jahrzehnten. Der Dokumentarfilm, den ich also dann neulich an besagtem mangelhaftem Abend ansah, James Dean, eine Legende, brachte mich dann tatsächlich, trotz der ausgelatschten Thematik des ewig traurigen Helden, in eine Melancholie, die ich dann erstmal nicht mehr los bekam. Das Kapitel über seine enorme Liebe zu den hauseigenen „Animals“ (nicht die Band, sondern die echten Tiere, er lebte lange auf einer Farm) machten den Abend zwar auch einmal kurz zu einer ziemlichen Kitschveranstaltung, jedoch verhinderte diese nicht den Tiefgang. …..Was bin ich doch anfällig für die Verführungen durch Filmtechnik, insbesondere der schwarzweissen samt Texten aus dem Off. Schon als Kind konnte mich eine Stimme, die mir etwas stimmungsvoll vorlas, fast in den Wahnsinn treiben. Oft war es übrigens die des Vaters. In den Wahnsinn in der Beziehung, daß ich in solchen Momenten alles vergaß, was um mich herum war und ich nur noch diese Stimme hören wollte. Bei allem muss jedoch der Maßstab stimmen. Stimmt er nicht, kommt es schnell wieder zum Zusammenbruch der Illusion.

© Bettie I. Alfred, 2020, März