Posts Tagged ‘Maus’

Für manche Haustiere muss man den Bau nicht sauber, sondern dreckig machen

November 13, 2019

Für manche Haustiere muss man den Bau nicht sauber, sondern dreckig machen, da sie es sauber nicht mögen und sogar davon krank werden können. Ich kann das gut nachvollziehen, obwohl ich ein Mensch und kein Tier bin. Der Kater schreit als sei er in Not, doch ist er lediglich gelangweilt von sich selbst, mehr nicht. Kann ich auch nachvollziehen. Ich frage ihn, ob er sich auf das seidene Kissen setzen mag. Es ist sein Lieblingskissen. Ich versuche es ihm unterzuschieben während er neben mir sitzt, doch er springt davon und schreit in der Küche weiter. Armes Tier. Wenn die Sonne scheint fühle ich mich wie ein gemeiner Hund, weil ich die Katze in Gefangenschaft halte. Zudem missbrauche ich sie als eine Art Partnerersatz. Aber sie bzw. er, es ist ein Katertier, weiss das ja nicht, insofern muss ich doch eigentlich kein schlechtes Gewissen haben. Es ist ja auch schließlich eine Hauskatze und keine Wildkatze.
Der Mitbewohner ist übrigens noch schlimmer, er kauft dem Tier ständig eine Stoffmaus. Erst eine, die nur einen angedeuteten Mäusezug im Gesicht hat, dann plötzlich eine mit richtigen Beinchen und einem Blick wie eine echte Maus. Der Kater hasst diese dann sofort und schlägt auf sie ein. „Da ist  Baldrian drin!“ sagt der Mann, das würde die Katze verrückt machen. Ich dachte Baldrian beruhigt. Aber vielleicht nicht bei Katzen. Ich schweife ab, das Thema, was welche Maus mit dem Tier mental macht, ist mir zu heikel und ich überlege stattdessen was der Satz: „A good Jack makes a good Jill“ bedeuten soll. Ich las ihn in einem Buch über Engländer. Sonst weiss ich immer sehr schnell was was bedeutet, aber nun sitze ich auf Kohlen. Nein das ist das falsche Bild, ich tappe im Dunkeln, so ist es richtig. Dann gehe ich raus.
Ein Bekannter, den ich mitten auf einem Parkplatz treffe, berichtet, dass er nun ein Busfahrer geworden ist. Ich frage, ob er den selben Weg gehen müsse, wie ich, denn wir könnten dann zusammen gehen. Er schüttelt den Kopf und zeigt auf sein Auto. Ich lache und stelle einen unverhofften Bezug her zum Busfahrerberuf und dem Autobesitz. Er versteht mein Lachen nicht und erklärt, dass der Betriebshof weit ist und er ja nachts wieder von dort nach hause kommen müsste. Ach so ja, sag ich und finde es innerlich trotzdem witzig, dass ein Busfahrer privat nur Auto fährt. Auch zu dieser Situation passt der Satz mit Jack und Jill nicht.
Ich könnte kotzen! Verzeihung, die Redewendung passt hier bestens, bei so viel Schrägsonne. Sie scheint in die Wohnung, direkt auf das alte Foto meines Vaters, wo man ihn sieht als er klein war, das ich gerade aufhing, um die Vergangenheit nicht andauernd zu vergessen. Es wird ausbleichen! Zudem kann ich das Foto, das sich hinter Glas befindet, wegen der beknackten Spiegelung, die die Sonne erzeugt, eigentlich gar nicht sehen. Aber ich kann ja nicht alle Bilder in den Schatten hängen. Vor hundert Jahren hatte das Haus aussen  an jedem Fenster eine Jalousie dran montiert. Das hab ich im Archiv meines Bezirks gesehen. Heutzutage muss man andauernd einen Vorhang auf – und zuziehen. Ich habe Angst, dass die Nachbarin denkt, daß ich dauernd schlafen gehe, also mich tagsüber gehen lasse. Sie hat bis zur Rente durchgearbeitet. Das hat sie mir mal erzählt. Ich bin auch rentenversichert und zahle ein, was das Zeug hält. Das vermutet sie aber bestimmt nicht so bei mir, wegen dem Vorhang.
Schlagartig muss ich daran denken, dass Mozart in einem Massengrab verscharrt wurde. Schlimm! Aber eigentlich auch egal, er war da ja schon tot. Trotzdem kriegt man das nicht in den Kopf hinein. Er war ja ein Weltstar! Aber wohl noch nicht zu Lebzeiten.

© Bettie I. Alfred, 2019