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Was für Fragen

April 11, 2020

Besuch vom Nachbarskind. Ein relativ frisches Schulkind. Wir, also Mann, ich, Kind, Kater, sitzen am Küchentisch und essen zu trockenen Kuchen. Warum man Ostern sagt und wie das früher überhaupt mit diesem Jesus gewesen ist, will es dann plötzlich wissen. Ich geh schnell an den Herd. Ich kann schlecht etwas erklären. Der Mann holt dann ein Buch aus seinem Zimmer und guckt dann sakrale Bilder mit ihm an. Jesus am Kreuz. Der Mann versucht einen Anfang: „Also, der mit der Buxe is immer INRI.“ Das Kind stutzt. Was eine Buxe sei fragt es dann. Ich geh dann aus der Küche, wo das Gespräch stattfindet, denn nun könnte alles noch mehr aus dem Ruder laufen. Ich setze mich dann auf die Couch und entdecke in einem alten Kursbuch aus den 70er Jahren (eine Literaturzeitschrift, nicht das Bahnheftchen), das mir jemand schenkte und das ich nun zum Zerstreuen durchblättere, ein Poster zum herausnehmen. Eine bunte Grafik ist darauf zu sehen. Eine Art Stammbaum oder etwas in der Art. Darunter steht: Der quabalistische Lebensbaum mit den 10 Sephiroth, den 22 Pfaden und seinen entsprechenden Emanationen. Drei Fremdworte in einer Spalte, die ich noch nie gehört habe. Das Kind kommt rein und guckt was ich mache. Ich erinnere mich an die Küchensituation vor wenigen Minuten und dass das Kind nicht wusste was Buxe heisst. Nun guckt es auf das bunte Poster: Was ist das? fragt es dann prompt. Ach nichts! erwidere ich und falte das rätselhafte Papier schnell zusammen und stecke es wieder ins Buch hinein. Dann erinnere ich mich an meines Vaters Worte, als ich ihn einmal fragte was ich für ein Kind gewesen sei: Du warst eine ewig fragende Nervensäge! Hatte er geantwortet. Wieso darf eure Katze nicht raus? Fragte dann das Kind. Ich erkläre, dass die Katze, liesse man sie hinaus, nicht wiederkommen würde und dass sie aber sowieso gar nicht raus möchte. Was stimmt, denn wir hatten es schon einmal ausprobiert und sie kaum über die Türschwelle der Wohnung bekommen. Dann sei es wohl keine Wildkatze sagt das Kind. Ich lache und bin dann unsicher, weil sie sehr wohl sehr wild werden kann und manchmal durch die Wohnung rast als gäbs kein morgen. Dann ruft die Mutter von unten und das Kind ist weg. Auf einer Christenseite lese ich dann was vom mosaischen EHYEH (ASHER) … und, dass das quabalistisch sei. Puh, denke ich und, dass man nicht alles wissen muss. Aber, dass der mit der Buxe immer INRI ist, das sollte jeder wissen.

© Bettie I. Alfred, 11.4.2020