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Konzentrieren

Oktober 13, 2009

Habe einmal ein Interview mit einem berühmten Tormann gelesen. Der hatte einen Charakter, der meinem Charakter so ganz entgegengesetzt war. Er war nämlich ein Sichkonzentrierwunder. Wahrscheinlich muss man das als Torvorsteher sein, ich kenne mich da nicht so aus, vermute es aber, dass es so ist. Er war wohl einer der besten in seinem Jahrgang. Das brachte ihm sehr viel Anerkennung ins Haus.
Ich glaube, wenn ich, die mit der Eigenschaft Fahrigkeit sehr gut beschrieben ist, der Torwart von einem Fussballverein wäre, dann wär der Verein ein einziger Pleiteverein. Ich würde vor Aufregung, wenn sich ein schneller Spielwütiger mir, dem Toemann, mit dem Ball nähern würde, vor lauter Angst davonlaufen. Und dann -puff-, wäre er drin, der Ball, der kleine runde. Ich war immer schon sehr schnell von Angst zerfressen. Besonders im sportlichen Bereich, wo ja Mut gefragt ist. Ich bin aber trotz meiner nicht vorhandenen Torwartbegabung wenigstens eine sehr gute Schiesserin. Mit Angst kann man nämlich besser Schiessen als daß man Schüsse gut abwehren kann. Das ist ja auch im übertragenen Sinne so.
Vor ein paar Jahren, als ich mich noch ab und zu gerne bewegte, spielte ich immer sonntags mit einem Freund ein bißchen Fussball. Und dann sagt dieser Freund jedes Mal zu dem einen Zuschauer, der sich dann manchmal eingefunden hatte, weil er vielleicht Langeweile gehabt hatte und sich mit dem Zuschauen die Zeit vertreiben wollte: “Toll, sie kann beidfüssig!“ Das machte mich dann merkwürdig stolz, denn er sagte dann auch noch: „Wie Podolski!“ Podolski ist ein berühmter Fussballer.
Doch leider ist das auch schon alles, was ich neben gut schnell einschlafen kann, beidfüssig Schiessen. Ach nein, ich kann auch noch kaputte Porzellansachen sehr gut wieder zusammenkleben. Das erfordert Akribie, die ich hier komischerweise aufbringen kann. Der Sekundenkleber an den Finger ist mir zwar nicht angenehm, aber erträglich. Man braucht lange, bis man ihn wieder entfernt hat. Am Ende der Prozedur jedenfalls ist der Kannendeckel oder die Tasse dann wieder benutzbar. Nicht schön anzusehen, aber wieder benutzbar. Der Vater war nicht gut im Kannendeckel oder Tassengriff zusammen- bzw. ankleben, er musste dabei oft weinen, weil ihn das an schlimme Zeiten erinnert hat. Das vermute ich zumindest. Er war besser in geistigen Tätigkeiten. Sogar herausragend. Im Fussball war er, soweit ich mich erinnere, schon gar nicht als Torwart zu gebrauchen. Im Gegenteil, er verhinderte es, das man gewann, wenn er in der Mannschaft war. Er war schon immer kein Teamplayer, eher ein Einzelspieler.

2016 © Bettie i. Alfred