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II -1001

Mai 28, 2020

Habe begonnen und wieder aufgehört. Den Roman, meinen längst beendeten Roman, den weiter zu überarbeiten, bzw. ihn mal wieder von vorne zu überarbeiten. Doch, er ist wohl einfach nicht, schon gar nicht vollständig, zu überarbeiten. Es macht keinen Sinn, denn ich habe es nun zum bestimmt fünften Mal versucht und wie die Male davor, bleibe ich immer an der selben Stelle hängen. Ein enormer Textekel lässt mich jedesmal an so ziemlich derselben Stelle eine Löschorgie anstreben, die es zu verhindern gilt, um die entstandene Posthumliteratur nicht vollends zu zerstören. Ich versah das Objekt dann schnell mit einer Löschsperre und versuche sie nicht wieder aufzuheben.
Verbrachte dann den Tag am Brunnen vor dem Bärentor und fabulierte dort einen neuen Romananfang zusammen. Die Sonne funkelte durch die riesigen Ahornbäume und nebenan schnatterte eine junge Frau aufgeregt von den Probleme des Lebens auf ihren vermutlichen Freund ein. Armer Typ. Wie immer identifiziere ich mich mit dem Mann. Erinnere dann die Frau damals beim Termin in der Literaturberatungszentrale. „Das ist Tagebuch was sie da schreiben, mehr nicht!“ Stumpfheit gemischt mit Zickenkrieg. Natürlich, sie war ein Jahr jünger als ich und ihr Pullover nagelneu und modern. Ich trug ein zerfledderten Mantel und roch aus dem Halse. Trotzdem war ich mir meines Charmes sicher und somit musste sie ein Urteil fällen.
Die besten Bücher, meines Erachtens, sind ja immer die Tagebücher!
Am Bärentor sitzend begann ich dann, als das Schnattermaul endlich schwieg, Ionescos Journal en miettes zu lesen. Wunderbar abgehackte Tagebuchsequenzen über den Alltag seines Lebens. Vollkommen S Y S T E M- U N R E L E V A N T. Danach kaufte ich im Minishop Schuhabsätze für meine neuen, zu niedrig geratenen Schuhe, die ich damit erhöhen werde. Nicht wie früher mit selbstgeformten Salzteigabsätzen, sondern mit welchen aus professionellem Absatzgummi.
Gut, ich werde K E I N E N R O M A N jemals fertig schreiben. Das gibt es bei mir nicht. Ich will ja immer alles andauernd verändern. Leck mich am Arsch Literaturberatungangestellte! Ich habe mir ein I-phone zugelegt. Immer wenn es klingelt drücke ich falsch oder wische falsch. Es ist eine einzige Pleite mit der Zeit zu gehen. Nun gibt es zudem ein riesiges Filmfestival für alle sichtbar ohne Eintritt im Internet. Ich finde das unglaublich dumm. Die dicken Verzeihung! Ärsche kleben auf den Sesseln und die Gesichter starren ins Gerät. Das ist doch nicht zum Aushalten! Zudem ist Küssen verboten. Die Katze kommt und schmiegt sich unentwegt an meinen Mund. Ich liebe sie.

© Bettie I. Alfred, 28. Mai 2020