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Auf dem Berge

Oktober 12, 2020

Also nochmal kurz zum haltbaren Explosionsmotor. Das Wort haltbar ist sicher das, was ihn so angenehm macht. Der Herbst beginnt nun und die Haltbarkeit der Baumbegrünung ist absehbar. Nach und nach wird alles abgeworfen und am Ende stehen sie da, die kahlen Stecken. Jedes Jahr aufs Neue ein erstaunliches Naturtheater. Man kann es nicht verhindern, selbst wenn man den Wald heizen würde, täten die Blätter abfallen, denn der Ablauf ist gespeichert und unumgänglich. Ging am Wochenende auf einen Berg. Ganz nach oben. Man liess dort Drachen steigen und Leichtflugzeuge fliegen. Man redete viel über den Wind. Der Wind muss stimmen. Stimmt er nicht, hat der Aufstieg nicht gelohnt. Man schaut im „Windfinder“ nach, um nicht umsonst hinaufzusteigen. Es ist ja schon genug umsonst im Leben, da will man zumindest daß sich der Aufstieg lohnt. Oben sind viele Hunde zugegen. Sie tollen herum wie Kinder. Einer versucht mich zu beissen. Ich frage ihn : Warum ausgerechnet ich? Man ruft ihn zu sich, er heisst Emily. Ein beißwütiger Hund namens Emily. Absurd ist das. Da ich mit dem Fahrrad aufgestiegen bin, muss ich dann mit dem Fahrrad wieder hinab. Ich versuche zu fahren und komme mir vor wie als Kind, wo man mutig sein musste um irgendwie Eindrücke zu schinden. Jetzt bin ich alt und muss das eigentlich nicht mehr, doch ich gerate dann in den Strudel, in dem man sich als Erwachsener trotzdem so fühlt als sei man ein Kind. Dazu trägt bei, dass der Mensch dabei ist, der ebenfalls gerne regrediert. Die Bremse ist das wichtigste, wenn man einen steilen Berg hinab fährt. Danach dann durchs Villenviertel nach hause. Neben riesigen Jugendstilhäusern mit hunderten von Fenstern, stehen ganz flache 70er Jahre Bunkerhäuser ganz ohne oder zumindest mit sehr wenigen ganz winzigen Fenstern. Ich kann nicht recht nachvollziehen, dass beide Bauherren vermutlich derselben Gattung Mensch angehörten. Allein die Farben mit der die Häuser gestrichen sind, sind sich offensichtlich vollkommen fremd. Weswegen viele Mauern und Zäune errichten, oder eine Hecke pflanzen. Man überlegt, wo man gerne einziehen täte. Mich zieht es in einen flachen Bunkerbau ohne Fenster, aber wohnen würde ich lieber in der Villa A.. Die Autos sind gleich, egal ob man im Prunkbau oder im Flachbau wohnt, man hat ein glänzendes sauberes Auto mit möglichst grimmigem Blick. Eins ist abgefackelt. Wie im Film. Auch die Reichen finden keine Ruhe. Das Mayröcker-Hörspiel, das ich versuchte zu hören war wunderbar gelesen, doch ich verstand nur den Anfang. Sie hat trotzdem den schönsten Schreibtisch.


© Bettie I. Alfred, 12.10.2020