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Verbissen

September 10, 2020

Den Film mit dem interessanten Titel „Das Geheimnis der gelben Mönche“ werde ich nicht weiter versuchen ausfindig zu machen. Es ist ein banaler Hollywoodstreifen, für den es sich wohl nicht lohnt Lebenszeit zu verschwenden. Auf den Bildern sind nur klischeehafte Situationen zu sehen: Graumelierte Männer in breiten Autos sitzend schiessen auf dusslige Frauchen. Sobald der Herbst kommt macht es Sinn Filme zu schauen. Am liebsten welche, die mir neue Aspekte des Lebens nahe bringen. Die meisten bemerkenswerten Filme kenne ich leider schon und somit krame ich in Archiven herum und finde selten etwas Unbekanntes. Ich habe schon das Metier gewechselt und bin nun bei Filmschulübungen gelandet. Das sind meistens Kurzfilme dokumentarischer Art, die ein studentennahes Thema behandeln. Je älter sie sind, desto sperriger, aber auch zugleich ungewöhnlicher werden sie. Meist steht ein problemvorsichherwälzender Mensch im Vordergrund. Das ist in weiten Teilen eindrucksreich, jedoch komme ich nicht drumherum den Dokumentarbereich oft als eine Art Sozialpornografie zu empfinden. Der Filmemacher steht hinter der Kamera und erzählt meist relativ unbeteiligt die Geschichte eines Versagens. Der Versager vor der Kamera wird dirigiert und es werden echte Gefühle erbeten und weint jemand ist alles erreicht worden. Je näher an der Realität, desto besser. Für meinen Geschmack ist es keineswegs so. Ich finde es künstlich interessanter, weshalb ich kein grosser Fan der Dogmabewegung war. Das Fest war trotzdem einer meiner Lieblingsfilme in den 90er Jahren. Sicher, weil es da um einen Befreiungsschlag geht. Befreiungsschläge im Film sind natürlich automatisch auch sehr befreiend fürs Publikum. Der Mann kommt rein und erbittet das Aufnahmegerät. Gleich gäbe es einen Massenwarnarlarm. So einen habe es seit 30 Jahren nicht mehr gegeben. Und was soll man dann machen? Frage ich ihn. „Duck and Cover!“ Sagt er. Erstaunlich, was in diesen Zeiten alles passiert. Menschen haben so einen an der Waffel. Ihr System ist so durchschaubar. Ich schaue mir dann zur Entspannung einen Film über einen Förster an. Er zeigt dem Zuschauer, was ein verbissener Baum ist. Daher also das Wort verbissen.

© Bettie I. Alfred