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Zwischen Floppy Discs und Corned Beef

Mai 26, 2020

Wie ich gestern im Supermarkt Corned Beef entdeckte, bekam ich umgehend einen Heisshunger darauf und kaufte es büchsenweise. Zu Hause setzte ich mich dann gleich, obwohl die Arbeit rief (ca. 100 Sampels auf Floppy Discs in den Laptop transportieren) an den Küchentisch und begann eine Büchse zu öffnen. Kaum verteilte sich der Geruch des Beefs im Raum, stand auch schon das Katertier, zu recht, neben mir, denn der Duft ähnelte verdammt dem seines Fraßes (sogenanntes Nassfutter). Würzig umschreibt ihn gut. Ich stapelte also Beefbröckchen auf frisches Gebäck, sprich auf frische Schrippe, und war erst begeistert und dann aber plötzlich nicht mehr so recht, denn des Beefs Konsistenz war nicht ganz so körnig, wie die des Beefs aus meiner Kindheit.
Nach dem Essen hatte ich dann eine Art Black out, wusste kurz nicht mehr, ob es Frühstücks- oder Abendbrotzeit gewesen war. Das hatte damit zu tun, dass ich um diese Uhrzeit eigentlich nur süss aß und ich sehr müde war, wie es nach Mahlzeiten bei mir leider ziemlich oft der Fall ist.
Um mich dann weiterhin vor der Arbeit zu drücken, dachte ich an eine Begegnung mit einem DJ, die ich letzte Woche gehabt hatte nach. Eine Freundin kennt ihn und brachte ihn zu einem fröhlichen Beisammensein mit. Er sprach ausschließlich Englisch, was für einen Sprachochsen wie ich es bin eine Herausforderung sondergleichen darstellte. Ich setzte mich extra weit weg von ihm, doch er setzte nach und saß dann neben mir und berichtete dass er aus Detroit sei. Die Katastrophe begann umgehend, denn ich dachte, intuitiv, dass Detroit in England läge und sprang somit heiter in den ersten Fettnapf, in dem ich freundlich lächelnd sagte: „Ah England, I love it!“ Alle lachten (es waren noch zwei weitere Freundinnen meiner Freundin dabei), denn, sie hielten mich, wie so oft es insbesondere Fremde tun, für absichtlich scherzhaft.
Dann zeigte mir der Mann aus Detroit eine alte Postkarte von einem riesigen alten Wolkenkratzer aus Backstein. Er plapperte etwas dazu und ich verstand nur den Wortfetzen old school. Ah, dachte ich, er erzählt aus seiner Kindheit und ich vermutete, dass sich in dem abgebildeten Wolkenkratzer seine alte Schule, in die er als Kind gegangen war, befindet. Besser gesagt befand, denn das Haus wurde, wie er es dann traurig erählte, inzwischen leider gesprengt. Ich sagte dann mitfühlend, weil mit dem Anliegen Trost zu spenden, in die kleine Runde, dass meine alte Schule, also meine old school in die ich als Kind gegangen war, leider auch schon gesprengt worden sei. Die Mädchen (eigentlich Frauen, aber sie sahen viel jünger aus als Frauen) quietschen dann wieder los vor lachen, wie kleine Ferkel, denn old school hatte ich vollkommen falsch übersetzt. Es hatte sich auf die Postkarte bezogen, die aus den 60er Jahren war und die Funkyboy (sein DJ-Name), weil sie echt und nicht digital war, eben old-school genannt hatte. Definitiv ging es also nicht um die old school (alte Schule) des DJs, wie es mir der Mitbewohner schleunigst nebenher erklärte, sondern um den Stil der Postkarte, die einen Zackenrand hatte wie eben eine sehr alte und zudem entsättigte Farben aufwies. Ich beschloss dann für den Rest des Abends lieber den Schnabel zu halten, denn es konnte nur noch schlimmer werden. Zum Glück ging dann bald das Konzert los, denn wir hockten in einer Jazzkneipe.
Beim Abschied wurde klar, wie man mich nun eingeordnet hatte, nämlich etwas zwischen amüsant und benebelt. Jedenfalls sagte der dabei zwinkernde DJ: „Bye bye Oldschool!“ zu mir und die Freundinnen quietschten wieder los als gäbs kein Morgen. Ich bat meine Freundin dann, als der DJ, und die elenden Quietscheentchen weg waren, dass sie mich doch bitte beim nächsten Mal mit Engländern verschonen solle. Nun begann auch die übriggebliebene Freundin vor Amüsement loszuquietschen und rief, weil sie sich schon eine Strecke entfernt hatte, um schnell nach Hause zu kommen, noch zum Abschied: „Nein Oldschool, nächstes Mal bring ich meinen Freund aus Michigan mit!“
Zu Hause guckte ich im Atlas nach und begriff, dass sie mich gefoppt hatte.
Ich muss unbedingt einen Kurs machen. In Ländereien und auch in  Fremdsprachen. Am Besten in Englisch, das ist ja universell zu verwenden.
Ich komme ja aus der Nähe von Mainz und ich muss sagen, ich bin immer wieder baff, wie selbst die da sehr gut Englisch können. Ich sprach ja schon mal davon, dass aus dieser Region wahnsinnig viele Komponisten kommen, die im Krieg in die USA flohen und dort ihre besten Stücke komponiert haben. Ich glaube sie heirateten sogar teilweise dort.
Schade, dass ich so ein Sprachochse bin, sonst könnte ich auch einen Engländer heiraten und die Sprache fliessend lernen. Aber so muss ich einen nehmen, der meine Sprache spricht, denn sonst versteh ich immer alles falsch. Das führt dann den ganzen Tag zu Mißverständnissen. Was ja selbst von Deutsch zu Deutsch andauernd passiert. Besonders im Netz.
Ich schrieb z.B. neulich jemandem, dass ich ein Beisammensein mit ihm ganz gut fand. Er dachte dann das hätte lediglich so lala bedeutet und es gab dann nie wieder ein solches Beisammensein. Bis ich ihn dann einmal fragte, wieso nicht ? – und alles rauskam. Nämlich, dass er dachte ich hätte so lala, gemeint obwohl ich doch eigentlich sehr gut gemeint hatte.

P.S.: Diesen Eintrag habe ich nur geschrieben, um mich vor meiner Arbeit (1000de Tonfiles speichern) zu drücken.

© Bettie I. Alfred, 28.11.2019