Posts Tagged ‘Brinkmann’

In der Zeitschleife wird mit traniger Schlagfertigkeit vorgelesen

März 29, 2020

1. Peter Bichsel                        24.3.2020
2. Thomas Bernhard              27.3.2020
3. Rolf Dieter Brinkmann      29.3.2020

Erst Bichsel, dann Bernhard, nun Brinkmann. Man könnte auf die Idee kommen das Motto seien Männer mit B. Nein, so einfach ist es nicht. Es kommt in dieser Reihe auch noch eine Frau mit J und allen drei bisher vorgelesenen Schriftstellern ist mehr gemein als das B, nämlich, dass ihnen wenig gemein ist und alle haben etwas geschrieben, so weit ich das bei 130 Millionen Büchern auf der Erde überblicken kann, das sonst niemand geschrieben hat.

4. Marina Jarre                        30.3.2020
5. Bettie I. Alfred  1                31.3.2020
6. Bettie I. Alfred 2                   2.4.2020
7. Ingomar von Kieseritzky    4.4.2020
8. Bettie I. Alfred 3                   6.4,2020
9. Robert Walser                      8.4.2020
10. Bettie I. Alfred 4                10.4.2020

 

© Bettie I. Alfred, 29.3.2020

Eine hässliche Ente gibts eigentlich gar nicht

August 8, 2018

Die Natur ist sehr wichtig im Leben. In ihr kann man sich erholen. Die Natur, besonders auch Tiere … und Kinder. Kinder sind extrem wichtig. Sie sind eine Art Regulativ der Erwachsenen. Lebendige Fehlermelder. Stimmt mit ihnen etwas nicht, stimmt mit den Erwachsenen erst recht was nicht. An Kindern rumzutherapieren, wenn die Eltern kaputt sind, ist sinnlos. Ich habe von meinem Urgroßvater die ICH_MUSS_IMMER_RECHTHABEN_KRANKHEIT „vererbt“ bekommen. Sie hat sich in der Jugend als unansehnlicher Teenager in mir ausgebreitet. Das ist kein Wunder, dass so etwas in der Pubertät passiert, weil man in dieser Zeit als „hässliche Ente“ nicht gut durchkommt, wenn sonst auch nichts da ist. Also sublimiert man und beginnt sich, als Ablenkung zum Hässlichsein, auf andere Qualitäten zu beschränken. Ich wollte dann eben statt schön auszusehen immer Recht haben.
Jahre später. Ich sitze im Park und da kommt plötzlich ein junger Mann mit einem Federballschläger, stellt sich vor mich und schlägt damit in die Luft. Ins Nichts. Ohne Ball, einfach so. Erst suchte ich noch nach seinem Gegenüber, doch dann konstatierte ich dass es ein solches gar nicht gab. Er war allein. Ein Mann spielte alleine mit sich Federball. Ein seltsamer Anblick. Ein bißchen wie in einem Buster Keaton-Film. Er spielte dann eine ganze Weile diese Art von Luftfederball. Alle Menschen, die an ihm vorbeiliefen, suchten automatisch sein Gegenüber, dann den Ball, dann die ihre Contenance.
Nebenan auf der Bank sassen Jugendliche mit Musik und Kifferei. Sie schwankten zwischen Wut und Freude. Nachdem ich genug gesehen hatte, wollte ich lesen. Erschrak dann, denn ich hatte das falsche Buch mitgenommen. Hilbig, der Brief, anstatt  Rom,Blicke. Ich las dann kurz in Hilbig hinein und war erstaunt, wie ruhig und sensitiv er schrieb, im Gegensatz zu dem anderen Autor. Erst erschien es mir kurz langweilig, doch dann kam ich rein und genoß ganz enorm den ruhigen Fluss dieser Erzählweise. Dann wurde es zu dunkel und ich konnte nicht mehr weiterlesen.
Die Jugendlichen nebenan hatten sich alle gegenseitig  mit dem Wort „Dicker“ angesprochen. Zum einzigen Mädchen wurde aber nicht „Dicke“ gesagt. Was ja folgerichtig gewesen wäre. Der Mitbewohner hat einen über 50-jährigen Bekannten, der ihn ebenfalls mit dem Wort „Dicker“ anredet. Besonders in Situationen, wo er ihm nahe ist. Merkwürdiger Sittenverfall. In einem Buch darüber wie man mehr Selbstsicherheit gewinnt, steht, dass man den anderen mit seinem Vornamen ansprechen soll, da  der angesprochene Mensch sich darüber enorm freuen würde. Das Buch landete dann im Papiermüll. Lebensberater in Buchform sind sowieso ein ganz grosser Irrtum. Sie dienen lediglich dem Geldbeutel des Autors. Ausser „Reite dein Gewohnheitstier“ (Untertitel: Routine raffiniert einsetzen). Das ist eine Art Antiberater und hilfreich, wenn man meint, dass man dauernd etwas Neues erleben müsste.

© Bettie I. Alfred, 2018