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Was für Fragen

April 9, 2021

Besuch vom Nachbarskind. Ein relativ frisches Schulkind. Wir, also Mitbewohner, ich, Kind und Kater, sitzen am Küchentisch und essen viel zu trockenen Kuchen. Warum man Ostern sagt und wie das früher überhaupt mit diesem Jesus gewesen ist, will es, das Kind, dann plötzlich wissen. Ich geh schnell an den Herd. Ich kann schlecht etwas erklären. Der Mitbewohner holt dann ein Buch aus seinem Zimmer und guckt mit dem Kind sakrale Bilder an. Jesus am Kreuz. Der Mitbewohner versucht dann einen Anfang: „Also, der mit der Buxe, das ist immer INRI.“ Das Kind stutzt. Was eine Buxe sei fragt es dann. Ich geh dann aus der Küche, wo das Gespräch stattfindet, denn nun könnte alles noch mehr aus dem Ruder laufen. Ich setze mich dann auf die Couch und entdecke in einem alten Kursbuch (eine Literaturzeitschrift, nicht das Bahnheftchen) aus den 70er Jahren, zufällig ein Poster zum herausnehmen. Eine bunte Grafik ist darauf zu sehen. Eine Art Stammbaum oder etwas in der Art. Darunter steht: Der quabalistische Lebensbaum mit den zehn Sephiroth, den 22 Pfaden und seinen entsprechenden Emanationen. Drei Fremdworte die ich alle noch nie gehört hatte, alle in einer einzigen Spalte. Das Kind kommt plötzlich herein und guckt was ich mache. Ich erinnere mich flux wieder an die Küchensituation vor wenigen Minuten und daß das Kind nicht gewußt hatte was Buxe heisst. Nun guckt es auf das bunte Poster: Was ist das? Fragt es dann prompt. Ach nichts! Erwidere ich und falte das rätselhafte Papier schnell zusammen und stecke es wieder ins Buch hinein. Dann erinnere ich mich an meines Vaters Worte, als ich ihn einmal fragte was ich für ein Kind gewesen sei: Du warst eine ewig fragende Nervensäge! Hatte er geantwortet. Wieso darf eure Katze nicht raus? Fragte dann das Kind. Ich erkläre, dass die Katze, ließe man sie hinaus, nicht wiederkommen würde und daß sie aber sowieso gar nicht raus gehen möchte. Was stimmt, denn wir haben es schon einmal ausprobiert und sie kaum über die Türschwelle der Wohnung bekommen. Dann sei es wohl keine Wildkatze, sagt das Kind. Ich lache und bin dann unsicher, weil sie sehr wohl sehr wild werden kann und manchmal durch die Wohnung rast als gäbe es kein morgen. Dann ruft die Mutter von unten und das Kind ist weg. Auf einer spirituellen Internetseite lese ich dann etwas vom mosaischen Asher und, dass das quabalistisch sei. Puh, mache ich dann und denke, dass man nicht alles wissen muss. Aber, dass der mit der Buxe immer INRI ist, das sollte schon jeder wissen.

© Bettie I. Alfred, 11.4.2020