SCHEINWUT (3)

Deutschlandpremiere: 18.2.2021, 22 Uhr, SWR2

Schweizpremiere: 10.4.2021 , 20 Uhr, SRF2

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Im letzten Teil der Wuttrilogie von Bettie I. Alfred, den sie SCHEINWUT genannt hat, geht es wieder um Lissy Heiliger und ihren ewigen „Scheiterhaufen“. Wieder bespricht sie Tonbänder und schreibt.
Ihre Reise- bzw. Zauderwut hat sich in diesem Hörspiel in eine sog. Scheinwut verwandelt. Von Scheinwut spricht man bei Tieren, die Anzeichen einer Wutreaktion zeigen, wenn man sie ärgert. Da Tiere keine menschlichen Empfindungen haben, nennt man dieses Verhalten Scheinwut. Sie ärgern sich nur zum Schein. Kaum ist das Problem behoben, verschwindet die Wutreaktion auch schon wieder. Auch bei einem Kind, das wütend auf eine Tischkante ist, wenn es sich an ihr gestossen hat, spricht man von einer Scheinwut. Das Gute bei der Scheinwut ist, dass man sie, im Gegensatz zu einer echten tiefsitzenden menschlichen Wut, relativ schnell wieder los wird. Trotzdem endet das Stück nicht fröhlich. Vielleicht war es doch gar keine Scheinwut.
In diesem Teil kommen beide Stimmen der Lissy Heiliger (die Kinderstimme aus REISWUT und die Frauenstimme aus ZAUDERWUT) vor, ebenfalls treten die markanten Stimmen von Jens Harzer und Leopold von Verschuer wieder auf. Alle Tonqualitäten und „Eigenheiten“ sind von Alfred absichtlich gewählt, um die Ambivalenzen der Beziehungen und Stimmungen deutlich zu machen. Denn, das Leben der Lissy Heiliger ist bzw. war letzten Endes alles andere als ein schön klingender Kindergeburtstag.
Die tiefe Melancholie die auch hier wieder aus Lissy Heiligers inzwischen erwachsenen Worten spricht, ist der Höhepunkt einer Reise durch das Innenleben einer Frau, die es nicht schafft ihr Leben in abgedroschene Bahnen zu lenken. Alle Wege bleiben bis zum Ende holprig. Ein Trost: auch die Männer scheitern. Und somit ist Lissy in gewisser Hinsicht nicht allein. Doch Wut hin oder her, die absurde Komik ist auch in der SCHEINWUT wieder mit von der Partie.
Frau Alfred liebt die Widersprüche des Lebens und Lissy agiert sie aus. Und somit ist das Ende vielleicht ja doch auch nur ein Scheinende.

© Bettie I. Alfred, 2020

Sprecher*In:  Bettie I. Alfred, Jens Harzer, Daniel Höpfner, Leopold von Verschuer

Text und Realisation: Bettie I. Alfred

Länge:. 54 min

Redaktion: Manfred Hess