Eine Holzpistole

Oktober 16, 2020

Jetzt, wo der Herbst kommt, wird wieder alles abgewetzter und dunkler. Eigentlich stimmt das so nicht, denn die Blätter der Bäume werden ja erst mal heller und nicht dunkler. Gelber, mein ich. Ausser die von den Bäumen in meiner Strasse. Da hat man nämlich Bäume mit schwarzen Blättern hingestellt, die auch immer, egal welche Jahreszeit vorherrscht, schwarz bleiben. Ich glaube so eine Art Zierkirsche ist das. Also die Blätter sind nicht richtig dunkelschwarz, sondern eher ganz ganz dunkelrot, fast schon bordeauxfarben. Sie machen jedenfalls alles noch dunkler, als es eh schon ist. Ich finde diese Bäume zwiespältig. Sie wirken wie gezüchtet und nicht recht natürlich. Vielleicht habe ich ein Klischee von Baumsein in mir, aber sie stören mich, diese Bäumen. Sie machen mir regelrecht eine schlechte Laune. Doch eigentlich sind sie für den Rest des Geschehens in der Welt unwichtig. Der Präsident wird in wenigen Wochen gestürzt werden. Zumindest sehnen sich viele Menschen danach. So wie man sich auch danach sehnt, dass man die Gesichtsmasken wieder zu hause vergessen kann ohne am Geschäftseingang zu beben. Die Fronten verhärten sich in beiden Thematiken. Manche finden den Präsidenten gar nicht so schlecht, er sei kein Kriegstreiber im Gegensatz zu linker anmutenden Präsidenten.
Jedenfalls habe ich heute als Ausgleich zu all den Spannungen eine beeindruckende Holzpistole

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gefunden. Sie lag in einer Kiste, wo Menschen Aussortiertes anderen zur Verfügung stellen. Diese Pistole ist sicher schon sehr alt. Vielleicht, oder sogar höchstwahrscheinlich, gehörte sie einmal einem Kind, dessen Vater (meistens sind es ja doch noch die Väter) ihm diese ausgefuchste Waffe gebastelt hat. Der Abzug passt sich phaenomenal dem Zeigefinger an und sie liegt gut in der Hand. Vielleicht gehörte diese Pistole aber auch eine/m/r älteren Schüler/in, der/die an seiner/ihrer Schule in Werken etwas Praktisches anfertigen sollte. Ich erinnerte mich dann, als ich einmal Töpferkurse in Grundschulen angeboten habe, und die Kinder selbst entscheiden liess, was sie aus Ton herstellen wollen, dass dann da auf einmal ganz viele kleine Jungs in den Kurs kamen und wie wild aus Ton Pistolen geknetete hatten. Leider sind diese dann fast alle beim Brennen geplatzt, weil zu viel Luft im Ton gewesen war. Da waren die Jungs dann sehr enttäuscht. Wie gerne hätten sie damit auf dem Schulhof rumgefuchtelt. Unweigerlich kommt das Bild von Woody Allen in einem seiner frühen Filme in meinen Kopf. In diesem Film plant er einen Ausbruch aus dem Gefängnis und dazu schnitzt er sich eine Pistole aus einem Stück Seife.  Leider regnet es beim Ausbruch und er hat plötzlich einen riesigen Schaumberg in der Hand. Jedenfalls gefallen mir Ton- und Holz- und auch Seifenpistolen eigentlich ganz gut. Sie haben so etwas Entwaffnendes. Beim Weiterlesen von dem Bernhardschen Kind, bin ich wieder auf eine schöne Stelle gestossen. Der Autor schreibt darin: Das einzige Buch, das mein Großvater jemals verlegt bekommen hat (Bernhards Opa war, wie er selbst, ein Schriftsteller) hat leider eine Ziege aufgefressen. Leider besass er nur ein Exemplar und hatte nun keins mehr. Der Titel des wahrscheinlich schlecht verdauten Buches war ein Frauenname gewesen. Leider erinnere ich ihn nicht mehr. Interessant übrigens welche Tiere alle gerne Bücher fressen. Neulich habe ich ja auch schon mal aus Geldnot einen von einem Nagetier angefressenen Freud (Bildende Kunst und Literatur) verkauft. Das Tier hatte ganz sorgfältig glücklicherweise nur das Inhaltsverzeichnis angefressen. Genau da, wo der eigentliche Text anfing, da hatte es aufgehört. Nun vermisse ich das Buch. Es enthielt interessante Stellen, die ich nun spontan nicht mehr nachlesen kann. Vielleicht kann ich das Buch zurückkaufen. Das wäre schön.

© Bettie I. Alfred, 16.10.2020

Auf dem Berge

Oktober 12, 2020

Also nochmal kurz zum haltbaren Explosionsmotor. Das Wort haltbar ist sicher das, was ihn so angenehm macht. Der Herbst beginnt nun und die Haltbarkeit der Baumbegrünung ist absehbar. Nach und nach wird alles abgeworfen und am Ende stehen sie da, die kahlen Stecken. Jedes Jahr aufs Neue ein erstaunliches Naturtheater. Man kann es nicht verhindern, selbst wenn man den Wald heizen würde, täten die Blätter abfallen, denn der Ablauf ist gespeichert und unumgänglich. Ging am Wochenende auf einen Berg. Ganz nach oben. Man liess dort Drachen steigen und Leichtflugzeuge fliegen. Man redete viel über den Wind. Der Wind muss stimmen. Stimmt er nicht, hat der Aufstieg nicht gelohnt. Man schaut im „Windfinder“ nach, um nicht umsonst hinaufzusteigen. Es ist ja schon genug umsonst im Leben, da will man zumindest daß sich der Aufstieg lohnt. Oben sind viele Hunde zugegen. Sie tollen herum wie Kinder. Einer versucht mich zu beissen. Ich frage ihn : Warum ausgerechnet ich? Man ruft ihn zu sich, er heisst Emily. Ein beißwütiger Hund namens Emily. Absurd ist das. Da ich mit dem Fahrrad aufgestiegen bin, muss ich dann mit dem Fahrrad wieder hinab. Ich versuche zu fahren und komme mir vor wie als Kind, wo man mutig sein musste um irgendwie Eindrücke zu schinden. Jetzt bin ich alt und muss das eigentlich nicht mehr, doch ich gerate dann in den Strudel, in dem man sich als Erwachsener trotzdem so fühlt als sei man ein Kind. Dazu trägt bei, dass der Mensch dabei ist, der ebenfalls gerne regrediert. Die Bremse ist das wichtigste, wenn man einen steilen Berg hinab fährt. Danach dann durchs Villenviertel nach hause. Neben riesigen Jugendstilhäusern mit hunderten von Fenstern, stehen ganz flache 70er Jahre Bunkerhäuser ganz ohne oder zumindest mit sehr wenigen ganz winzigen Fenstern. Ich kann nicht recht nachvollziehen, dass beide Bauherren vermutlich derselben Gattung Mensch angehörten. Allein die Farben mit der die Häuser gestrichen sind, sind sich offensichtlich vollkommen fremd. Weswegen viele Mauern und Zäune errichten, oder eine Hecke pflanzen. Man überlegt, wo man gerne einziehen täte. Mich zieht es in einen flachen Bunkerbau ohne Fenster, aber wohnen würde ich lieber in der Villa A.. Die Autos sind gleich, egal ob man im Prunkbau oder im Flachbau wohnt, man hat ein glänzendes sauberes Auto mit möglichst grimmigem Blick. Eins ist abgefackelt. Wie im Film. Auch die Reichen finden keine Ruhe. Das Mayröcker-Hörspiel, das ich versuchte zu hören war wunderbar gelesen, doch ich verstand nur den Anfang. Sie hat trotzdem den schönsten Schreibtisch.


© Bettie I. Alfred, 12.10.2020