Zu nah am Original

Oktober 7, 2019

Man prosaiert den ganzen Tag (also manchmal den ganzen, meistens nur mal für zehn Minuten) wild vor sich hin. Für diese kleinen Anekdoten hier erfindet man Situationen, Personen und Wetterlagen. Mischt dann alles zu einem Gemüsegratin zusammen und gibt allem eine Überschrift. Die Bäckersfrau erscheint als Nachbarin und ein Mann, den man mal auf der Strasse sah, wird zum befreundeten Studenten, der Baumtests mit einem macht. Man ist meistens um die 40 und eine verschrobene, humorvolle, aber auch sehr deprimierte und uneitle Frau mit Katze. Der Ehemann dieser Frau ist ein Mann, der mit ihr, der Hauptfigur verheiratet ist und es gibt ihn aber so nicht wirklich, denn der ist nicht der echte Ehemann, ist definitiv nicht der Ehemann aus den Geschichten, sondern er trägt nur meist den selben Strick-Pullover und hat in meiner Vorstellung eine ganz andere Stimme, als der echte. Der Ehemann aus den Geschichten, vor allem innerlich gesehen, ist ein ganz anderer Typ. Vor allem eben ist er aber ein Student! Er ist eher ein, also jetzt mal klassisch psychologisch gesehen, sicher autonomer Typ, der natürlich zugespitzte Eigenheiten hat, um meine Phantasie noch mehr in Gang zu bringen. Da ich so gut erfinden kann, meint man dann die Realität vor sich zu sehen und plötzlich bringen mir Menschen, soz. in Echt, warme Decken und Thermoskannen voll mit Yogitee. Ich resümiere nach drei Jahren:
In der Kunstfigur steckt zu offensichtlich das Original.
Ich muss das ändern.
Jetzt wird erstmal E.T.A. Hoffmanns Kater Murr gelesen. Es wird Zeit sich wieder mal den Tieren zu widmen. Als nächstes dann „der“ Steinlaus.

© Bettie I. Alfred 2019

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Mundhalten

Oktober 4, 2019

Das Herz eines Wales wiegt 450 kg. Er hat also ein grosses Herz. Ein Ameisenkönig, nein falsch, eine Ameisenkönigin kann bis zu 15 Jahre alt werden. Die Grundphaenomene des Erlebens sind die Gefühle. Lege mich unter eine gaze aerienne. Unter dem Schleierstoff dünn wie Luft, sehe ich alles mit einem Schimmer. Man ist und bleibt das Kind, das man einmal war. Mehr oder weniger.
Das Leben ist schön, nun lass mich in Ruhe! Sagt der Erdarbeiter Karl Johann Sauerstoff zu seiner Prinzessin Gisela auf der linken Kinderschallplatte. Nein, es war nicht der Erdarbeiter Karl Johann Sauerstoff, sondern der Arsch, der zum Fenster  hineinblickte. Der Satz blieb hängen. Das Leben ist schön, nun lass mich in Ruhe!
Alles begann gleichzeitig. Die Aura ums Auge, das Frausein, die schlaflosen Nächte.
Wie bei Herrn Usher bei Poe der häufige Wechsel von Lebendigkeit zu einem Gefühl der absoluten Stumpfheit. Eine zittrige Unentschlossenheit setzte dem ganzen die Krone auf.
Sei du selbst, sonst verpasst du dein Leben! Sagt Sartre. Da ist etwas Wahres dran. Doch der, der unter nächtlichem Aufschreien leidet, wie soll er wohl er selbst sein? Ich mag ihn wie er ist. Ein Quälgeist erster Güte.
Er bittet mich einen Baumtest abzulegen. Aha, sage ich, wieso das denn? Einfach so, er mache ihn in der Schule mit den Grösseren. Es sei hochinteressant was dabei heraus käme.
Ich male den klassischen Baum. Eine Kugel und unten ein Stamm. Piktoresk. Er lacht, und sagt, nein das ginge nicht. Wieso frag ich. Das sei kein spontan gemalter Baum, da könne er nichts draus lesen. Ich starre auf die alte Postkarte an der Wand. Auf ihr ist der Katzenbuckel im Odenwald zu sehen. Ich sammle alte Fotografie-Postkarten auf denen Landschaften abgebildet sind. Sie sind sogenannte „Echtfotografien“, sollen suggerieren man sei vor Ort gewesen und habe das Foto selbst geschossen. Ich war nur ein einziges Mal im Odenwald. Es gibt ein Foto, auf dem ich in einem blassgrau-karierten Kleid, das mir die Nachbarin angezogen hatte, an einem Hirschgehege stehe und einen davon füttere. Ich lache, wie immer auf Fotos, den Menschen an, der es macht. Der Mensch war die Nachbarin. Sie trug eine Dauerwelle, die sie unter einer aufblasbaren Haube selbst gemacht hatte. Sie rauchte Ernte 23. Immerzu.
Der Baumtest wurde dann nicht fortgeführt. Es ist doch Quatsch, dass mein Baum kein Ergebnis parat hielt. Jeder Baum birgt eins. Er mochte meinen Baum nicht, ganz einfach. Er war ihm zu simpel. Er zeigte dann Bilder der Kinder. Klar, das waren Bäume! Aber meiner war auch ein Baum! Um nicht wieder als Zankapfel dazustehen, halt ich den Mund. Eine gute Übung: Mundhalten.

© Bettie I. Alfred, Oktober 2019

Endlich hat er ein Buch geschrieben – Lange hat man ihn mißverstanden

Oktober 2, 2019

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Ernst`sche Verlagsbuchhandlung, München
145 Seiten