Archive for the ‘TIERE’ Category

Flußbekanntschaft

August 12, 2020

Bin an einem Fluss gelegen. Habe dabei in ein vertrocknetes Gebüsch geschaut. Dann- eine Eidechse erblickt. Und ganz gebannt gewesen. Ein Muster hatte die! Unglaublich schön. Dann sie versucht zu streicheln und schwubs war sie in einem Loch verschwunden. Dann nachgedacht darüber, dass ich erst einmal im Leben eine Eidechse sah. Also vor dieser. In der Kindheit. Da war ich ungefähr sieben Jahre alt gewesen.
Nun habe ich zum zweiten Mal in meinem Leben eine Eidechse gesehen. Eine gemusterte. Dann fragte ich mich, ob die Eidechse an sich nicht eigentlich eine Echse sei. Fragte mich dann zudem wieso man dann nicht Eid-Echse sagt sondern Ei-Dechse. Der Mann lacht als ich frage und sagt, weil sie mit Eid nichts zu tun hätte. Ich schaue nach und lese was über Eidechsen. Wieso man Dechse und nicht Echse sagt, steht nirgends. Die Echse, die ich da im vertrockneten Gebüsch entdeckt hatte war wohl nach den Bilder zu urteilen eine sogenannte echte Eidechse. Ich glaube es war sogar eine Waldeidechse.  Wegen des Geschlechtsdimorphismus, dem diese Tierart unterliegt, konnte ich nicht sagen, ob es ein Männchen oder ein Weibchen gewesen ist. Sehr hübsch war sie jedenfalls. Dass man beim Tier, egal wie gross es ist, von Männchen und Weibchen spricht finde ich übrigens merkwürdig. Ein männlicher Braunbär kann bis zu drei Meter hoch werden und bis zu 200 Kilo schwer. Da von einem Männchen zu sprechen ist doch alles andere als nachvollziehbar. Dass man dagegen Gummi“bärchen“ sagt und nicht Gummi“bären“ finde ich dagegen einleuchtend. Irgendwo sprach mal jemand in Bezug auf Gummibärchen mal über Gummimännchen, das kam mir ebenfalls komisch vor. Bei Hitchcock gab es mal einen Gummimann. Einen riesigen Gummibärenmann  der kleine Mädchen frass. Das ist jetzt Quatsch und ich glaube, dass das lauwarme Bier, dass ich gerade hinuntergestürzt habe nun gerade seine Wirkung tut. Ich trinke ja eigentlich nur Tee, aber heute war mir nach einem echten Bier.

 

© Bettie I. Alfred, 12.8.2020

Standvogel

Oktober 14, 2019

In einem Yogabuch aus den frühen 50er Jahren lese ich herum, nicht weil mich Yoga interessiert, sondern weil mich interessiert, ob es einen vehementen Unterschied gibt zu Yoga-Büchern von heute. Bezeichnenderweise steht gleich zu Beginn des alten Buches, also des alten Yogabuches aus den 60 Jahren, dass es schon viel zu viele Bücher und Publikationen über den/das Yoga gäbe. Ich stutze, heute klar, heute gibt es in der Bibliothek drei Regale voll damit. Aber damals? Vor 60 Jahren, so hatte ich es mir zumindest vorgestellt, war Yoga doch wohl etwas, was Vereinzelte oder gar niemand kannte. Der Mitbewohner wirft dann bei einem Kurzgespräch über jenes Thema ein, dass aber doch selbst Himmler einen persönlichen Yogalehrer gehabt haben soll. Und der sei ja nicht gerade unbekannt gewesen. Das stimmte natürlich. Nun gut, alles ist ja irgendwie relativ. Ich lerne jedenfalls beim Lesen des alten Yogabuches, dass NIRWANA einfach nur -ohne Wehen des Windes- heisst. Wind im Allgemeinen scheint für die Yogamenschen sowieso wahnsinnig wichtig zu sein, denn es ist viel die Rede von ihm. Ich mag keinen Wind, ausser, wenn es und er warm ist. Kalter Wind ist mir ein Graus. Manche mögen ihn sogar so. Auch hier ist also wieder einmal alles relativ relativ. Auch interessant wie der Yogakundige, der dieses alte Yogabuch geschrieben hat, immerzu auf das Arndt-Schultzsche-Gesetz hinweist. Dieses war mir, als Yogaunkundige und schon gar nicht mit Gesetzen vertraute, vollkommen unbekannt. Dabei habe ich, nur ganz praktisch betrachtet, bereits viele Jahrzehnte Yoga hinter mir. Das Arndt-Schultzsche Gesetz beinhaltet jedenfalls folgende Sichtweise: Schwache Reize heben die Lebenskraft, größere Reize hemmen sie und die größten Reize zerstören sie. Ich bin sehr froh als ich das lese, denn, als hätte ich dieses Gesetz doch gekannt, habe ich mein Leben, bis jetzt, voll nach diesem Prinzip ausgerichtet. Auch folgendes Sprichwort, das der  Autor, der übrigens einen russisch klingenden Namen hat, erwähnt: JE LANGSAMER MAN FÄHRT, DESTO WEITER GELANGT MAN macht mich wirklich froh, denn ich bin enorm langsam in meiner Art mich fortzubewegen. Mit über 4o mache ich Erfahrungen, die der Normalmensch mit 20 macht. In gewisser Weise sehe ich mich in einer nahen Verwandtschaft zu den sogenannten Standvögeln. Zu ihnen zählen alle Vögel, die mehr stehen als gehen oder gar fliegen. Der Marabu ist der schönste von allen. In den Zoo gehe ich nur wegen ihm. Er ist nicht nur eine echter Standvogel, er hat auch ganz gegen den Sinn des Zoos, keinen Käfig, weil er nicht droht davonzufliegen. Er steht also ganz frei im Zoo herum. Der Mitbewohner erwähnt dann in einem Kurzgespräch über das Thema, daß er gestutzt sei und deshalb nicht fort fliege. Gut, das ist natürlich ein Argument, denn gestutzt ist wohl alles andere als frei. Mir fällt Geigers Buch DER ALTE KÖNIG IN SEINEM EXIL ein. Im Buch ist dann eine Zeichnung, wo ein gezeichneter Mensch das schlafende Kamel macht.

© Bettie I. Alfred, Okt. 2019