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Von Eierbrot zu Döner Kebap

April 28, 2017

„Ich kann deinen Schweinskram nicht mehr essen!“ schrie der Mann und verliess entschieden die Wohnung, um ein Döner Kebap essen zu gehen. Ich gebe zu, dass ein Döner Kebap meinen Horizont der Kochkunst weit überschreitet. Es ist mir peinlich und doch sehe ich nicht ein mich fortzubilden, denn mir reicht im Prinzip ein Ei mit Brot am Abend aus.
Die Sublimierung war bei allen Beteiligten bei der jahrelangen einseitigen Ernährung, die die Frau (also ich) bot, vorauszusehen gewesen.
Der Mann spielte meistens, anstatt selbst zu lernen wie ein Gericht vorzüglich wird, wenn er auf Essen wartete, anstrengende Avantgardemusik auf selbstgebauten Instrumenten und am liebsten hätte er ein Musikzimmer mit einer kaputten Elektroheizung gehabt, weil diese so gute Geräusche für die Platte, die er anstrebte zu produzieren, machen täte.
Einmal sollte übrigens ein Akkordeongeschäft geschlossen werden, weil die Menschen keine mehr kauften, stattdessen sollte darin ein Handy-Imbiss entstehen. Also ein Imbiss, wo man während einer Handybenutzung gleichzeitig essen durfte. Zudem sollten darin extra Kabinen eingebaut werden , damit die Handies sich nicht gegenseitig den Saft abzapften und die Gespräche sich zudem nicht beeinflussen konnten. Zumindest hatte ich das so verstanden.
Die Frau (also ich) bekam das mit der Schließung glücklicherweise noch rechtzeitig mit und schickte den Mann hin, wegen den verbilligen Instrumenten, die man dort noch schnell erwerben konnte, bevor der Laden, wie gesagt, eingestampft bzw. neu gemacht werden würden.
„Wow!“rief der Mann, als er im Laden stand, „so viele Akkordeone!“ Der Verkäufer war leider ein Mensch vollkommen ohne Humor geboren und schnaubte erzürnt zum Einpackpraktikanten: „Akkordeone! Ich fass es nicht!“
Der Einpackpraktikant stutze irritiert, denn er fragte sich, was an „Akkordeone“ eigentlich falsch sei. „Chef, wie heisst es denn richtig?“ fragte er dann äußerst mutig, da man den Chef im Grunde nicht mit dummen Fragen belästigen durfte, denn er war im Grunde ein hypersensibler Charakter. „Was weiss denn ich!“ Rief der dann noch immer erzürnt. „Akkordeons wahrscheinlich! Jedenfalls nicht Akkordeone!“
Da kamen auch noch unpassenderweise ein paar junge hübsche Flötistinnen in den Laden und fragten nach Bachflöten.
Doch, es stellte sich flux heraus, auch was Bachflöten sind, wusste der Verkäufer nicht. Er fragte dann die musikbegeisterten Flötistinnen, was das denn überhaupt sei, Bachflöten. Die Bachflöten seien jetzt gerade für Beatboxuntermalung angesagt. So lange Dinger mit Ziervogelmuster um die Löchern herum gestanzt, erklärten die wirklich bildhübschen Mädchen. Die Bachflöten seien aus den 70er Jahren, soweit sie sich nicht täuschen würden.
Der Einpackpraktikant schwiff in diesem Moment in wirre Gedanken ab, da das Styropor, in das die nun, bis auf das eine, nicht rechtzeitig bis zur Schließung verkauften Akkordeone, nun schleunigst eingepackt werden mussten, um sie sicher und unversehrt zur Schrottpresse zu fahren, er schwiff also ab, weil das Styropor so dermassen glatt geschmirgelt war und er es als so ungeheuer angenehm empfand mit der Hand darüber zu streichen, daß er es unentwegt tat. Die Gedanken führten ihn unverhofft zu der Frage, wie diese jungen wunderschönen Flötistinnen, die zudem anscheinend auch moderne Beatboxerinnen waren, als alte Frauen wohl aussehen täten. Er kam zum Schluss, dass diese schöne Rapperinnen und Flötistinnen immer gut aussehen würden, auch im hohen Alter.
Der Ehemann bat dann doch lieber, anstatt Besitzer eines Akkordeons  zu werden, um die Bassgambe, die er im Regal erblickte und die für ihr enormes Alter günstig war und nur 8000 Mark kostete.
Er leaste diese dann aber doch vorerst nur für ein Jahr, denn er wollte nun doch erstmal abwarten, ob seine Solokarriere als Bassgambist überhaupt Aussichten auf Erfolg haben würde. Er lernte das Spiel dann ungeheuer schnell, und begriff rasch, dass ein Jahr locker reichen würde, um Erfolge einzuheimsen. Er sah ja zudem enorm gut aus, auch ohne Zahnersatz (wüste Zahnlücken bevölkerten seinen Mundraum), den er sich erst später zu reparieren gedachte, wenn der Geldstrom dann sicher fliessen täte.
Der Erfolg war dann tatsächlich schnell sehr gross und er kaufte sich dann von seinem Geld einfach einen Dönerladen, den er ganz simpel an unser Haus dran tackern liess. Und damit er ganz easy, wenn er hungrig war, rüber krabbeln konnte, liess er einen Spielschlauch als Verbindung vom Laden zu seinem und dem Haus der Frau (also mir) legen.
Mit der Bassgambe erzeugt er im übrigen weiterhin schöne Musik und der Mann lag nach der Arbeit (man sagt, glaub ich selbst zu musikalischer Tätigkeit Arbeit) auf seinem Diwan und aß ein Döner Kebap anstatt die alten Eierbrote, die ich ihm immer bereitet hatte.
Die Frau (also ich) gewöhnte sich dann auch an das so ganz andere Essen und auch an die Karriereleiter auf die ihr Mann in windige Höhen als Musiker stieg und las dann anstatt schlecht zu kochen lieber Ernst Bloch, um die Welt besser zu verstehen. Es half.

Diese enorm absurde Geschichte hat sich Bettie I. Alfred als sie noch relativ unbekannt war, ausgedacht um Aufmerksamkeit zu erregen.

2007 © Bettie I. Alfred