Archive for the ‘Gedankenflut’ Category

Es lebe die Ameise

Mai 31, 2021

Juchhu, sie ist wieder da. Die Ameisenstrasse aus meinem Roman, den ich schon vor vielen Jahren (noch ist es nicht Jahrzehnte her!) anfing zu schreiben. Dabei ist es eine ganz andere Situation als die damals, denn ich habe längst einen Teppich an der Stelle zu liegen, wo entlang die Strasse führte. Nun müssen die Krabbelmeister sich durch Sisalstruktur kämpfen. Aber so ist das eben im Leben, auch für mich. Ab und zu muss man sich durch eine Struktur kämpfen, die einem auch mal ein Bein abzwacken kann. Im Park fange ich mir einen Sonnenstich ein. Die ganze Nacht denke ich dann dass mein relativ normal grosser Kopf doppelt so gross ist. Heute morgen dann einen steinharten Keks (Rezept wie immer selbst erfunden und somit eine Katastrophe, da man Zutaten sowie Maßeinheiten nicht frei erfinden kann), jedenfalls diesen steinharten beim Kauen unangenehm am Gaumen schubbernden Keks dann gegessen und siehe da, der Kopf schrumpfte wieder. Frau Edschmid las angenehm im Radio etwas vor. Ich sass gebannt bis die Studentenbewegung auftauchte. Dieses Thema kann ich nicht mehr so recht hören. Männer und Frauen in zotteligen Mänteln, sollen sie doch, aber ich bin „die Gen“ danach…. Egal, jede Generatiob bewegt eben etwas anderes, ist ja klar. Las dann gestern, trotz Schwellschädel noch weiter im Rosenkranz (Ästhetik des Hässlichen). Der Autor behauptet darin, dass von allen Künsten die Poesie die sei, in der die grösste Masse an Hässlichkeit produziert würde. Auch bei der Malerei könne ziemlich schnell „gesündigt“ werden. Ganz im Gegensatz zur Bildhauerei, da falle eine Mißgestaltung kaum auf. Es gebe jedenfalls weitaus mehr hässliche Gemälde als hässliche Statuen. Ich bin irritiert von all dem Geschwafel. Bekomme Wut auf Intellektuelle, die meinen, dass sie die Weißheit mit einem Löffel fraßen. Dann wird mir klar, dass ich eine Überreaktion habe wegen schlechter Schulerinnerungen. Es liegt mir (und lag mir leider schon immer) ziemlich fern mich freiwillig, verzeihen sie diese Ausdrucksweise, doch passt sie hier an dieser Stelle gut, dermassen überzeugt zertexten zu lassen. Herr Rosenkranz hinterlässt mich also teilweise stutzend. Allein die Trennung in Hässlich und Schön finde ich zunehmend unangenehm. Natürlich ist ein an Kretinismus leidender Mensch nicht schön anzusehen, aber hässlich muss er deswegen ja nicht unbedingt sein. Es ist doch alles eine Frage der Gewohnheit. Auch die Aussage, dass ein Genesender immer ein Anblick für die Götter ist, finde ich fragwürdig, denn ist es der Nachbar, der einen viel und ausgiebig mit Techno (Musik) belästigt, sieht das ganze doch schon anders aus. Nun höre ich das traurige Schnarchen des Mitbewohners. Er soll aufstehen, sonst versäumt er seine besten Jahre.

© Bettie I. Alfred, letzter Tag im Mai 2021