Archive for the ‘Erinnerungen’ Category

Musik – nicht im Sinne der Katze

Dezember 28, 2019

Habe mir zwischen den Jahren eine wilde anstrengende und weitestgehend sehr sehr jazzige Schallplatte gekauft. Also eine echte Vinylscheibe. Bzw. hab ich sie im Laden, tatsächlich versehentlich, in meine viereckige Tasche getan und bin dann später, als ich alle Fächer durchgesehen hatte, einfach damit raus auf die Strasse und dann zügig, ob der plötzlichen Kälte, nach hause gegangen. Zu hause fiel mir dann ein, dass das Bezahlen nicht stattgefunden hatte. Naja, wird für dieses Musikgeschäft, das es tatsächlich seit 50 Jahren gibt (so steht es zumindest an der Scheibe), schon kein Bankrott nach sich ziehen.
Zu hause hab ich dann die wirklich vielschichtige Musik ziemlich laut angemacht und da klingelte auch schon nach kurzer Zeit das Telefon. Es war einer, der mit mir telefonieren wollte dran und ich war trotz der Schallplatte, die mich gerade beschäftigte, redselig und er auch. Somit dauerte das Gespräch fast eine halbe Stunde. Für meine oft sprachunwilligen Verhältnisse ist das ungeheuer lang. Das lag am anderen Ende, also am Mensch am anderen Ende, den ich liebe.
Als ich wieder ins Musikzimmer zurück kam ertönten gerade die letzten Takte der Musik und ich erblickte den Kater, der wie gelähmt im Sessel sass. Er hatte, da sein Sitzsessel mit dem Schafsfell, der ist, auf dem er im Winter „wohnt“, die ganze Schallplatte durchhören müssen, da dieser neben den Boxen steht. Müssen, durchhören müssen, nicht dürfen, das ist ein Unterschied! Er sah so zerknittert aus, als hätte er etwas Schlimmes durchgemacht. Das arme Tier.
Ich streichelte es dann ganz stark und sehr lange zur Beruhigung. Dann biss es mich und lief davon. Es war zu spät für Trost gewesen.
Ich brachte dann die Schallplatte wieder in den Laden zurück und tauschte sie gegen Geld zurück. Der Verkäufer war nicht auf Korrektness, wie die meisten anderen dieser Art, fixiert, sondern nahm alles locker, weswegen er nicht aufmuckte wegen des hohen Preises und der fehlenden Quittierung. Weil es eine japanische Pressung war gab es 84 € zurück. Der Verkaufsmann gab alles ohne nachzudenken, denn er wusste ja nicht, dass die Platte soz. von alleine in meine Wohnung gegangen war und ich somit gar kein Recht auf Umtausch hatte. So lebe ich nun ma eine Woche in vollkommen finanzieller Unbeschwertheit. Das neue Jahr wird gut, wenn das so weiter geht.

© Billie Silbermeier, 19.12.2011

10.12.2019

Dezember 10, 2019

Bescheidenheit ist ein seltenes Gut. Das stimmt, denn selbst Menschen, wo man denkt, dass sie weit mehr auf dem Kasten haben, als mit Besitz und anderem zu protzen, stellen sich oft als grosse Protzer heraus. Sogar Hans Henny Jahnn, ein Schriftsteller, den ich so wirklich nicht verband mit dem Streben nach Ruhm und Geld, schrieb in einem Buch ausführlichst darüber, wie sehr er es sich wünsche einmal einen sechs Millionen – Bau zu realisieren. Er war ja neben der Schriftstellerei auch noch ein Architekt. Umgerechnet auf heute wären die sechs Millionen wohl mindestens sechs Milliarden. Der Bau sollte, so Jahnn, in rhythmisch vollkommenen Proportionen gebaut sein. Diese Vollkommenheit anstrebend, wälzte er sich schließlich fiebrig, an einer Stomatitis erkrankt, in seinem Bett hin und her. Schließlich verfiel er in seinen Plänen auf das 5:7-Verhältnis, was ihn dann bis zum Lebensende beherrschte. Anscheinend übertrug er zunehmend alles auf dieses Verhältnis. Was immer das auch heissen mag. So recht verstanden hab ich es nicht.
Nach einer Weihnachtsfeier war mir übrigens so schlecht, das ich, obwohl es erst früher Abend war, als ich zu hause ankam, gar nichts mehr lesen konnte. Ich lese so gerne, aber das ging dann nicht mehr, denn ich musste sofort in die liegende Position kommen, um meinen übersäuerten Glühfix-Magen zu beruhigen. Sitzend und dabei zudem noch lesend hätte ich garantiert ins Buch gespuckt.
Der Vater ruft an und spricht auf den Anrufbeantworter, was es mit dem Wort Nachen auf sich hat. Er ist Deutschlehrer gewesen und weiss so etwas. Ich hatte angefragt, weil mir das Wort unbekannt gewesen war. Und dieses Netztgegoogle ist immer so unpersönlich. Man kann doch fragen. Oder ein Nachschlagwerk verwenden.
Der Ehemann ist beim Frühstück ganz aufgebracht, weil Beethoven so ein schwieriges Leben gehabt hatte. Er sei oft mit Stühlen auf Menschen losgegangen und hätte keiner eingegriffen, wäre schnell mal jemand tot gewesen. Nun hört er sich sicher mal was von ihm an. Eigentlich steht er mehr auf Eintonmusik. Aber so ein Charakter interessiert ihn dann doch.

© Bettie I. Alfred, 10.12.2019