Archive for the ‘Der Mensch’ Category

Für manche Haustiere muss man den Bau nicht sauber, sondern dreckig machen

September 20, 2021

Für manche Haustiere muss man den Bau nicht sauber, sondern dreckig machen, da sie es sauber nicht mögen und sogar davon krank werden können. Ich kann das gut nachvollziehen, obwohl ich ein Mensch und kein Tier bin. Der Kater schreit als sei er in Not, doch ist er lediglich gelangweilt von sich selbst. Auch das kann ich gut nachvollziehen. Ich frage ihn, ob er sich auf das seidene Kissen setzen mag. Es ist eigentlich sein Lieblingskissen. Bei Hitze kühlt es, bei Kälte wärmt es. Er reagiert nicht. Ich versuche es ihm unterzuschieben während er daneben sitzt. Der Versuch mißlingt und er springt jäh davon und schreit dann in der Küche weiter, als stürbe er. Armes Tier. Wenn die Sonne scheint und es draussen vorm Fenster knistert vor Leben, fühle ich mich wie ein gemeiner Hund, weil ich die Katze in Gefangenschaft halte. Es ist ja aber doch eine Hauskatze und keine Wildkatze. Der Mitbewohner ist übrigens, wenn man es so sieht, noch gemeiner zum Tier, als ich. Er kauft ihm, dem Tier ständig eine neue Stoffmaus. Sie seien so günstig, sagt er. Zuerst kaufte er ihm eine, die lediglich einen angedeuteten Mäusezug im Gesicht hatte und die ganz ohne Details auskam, dann plötzlich eine mit richtigen Beinchen und einem Blick wie der einer echten Maus. Der Kater hasste die „gut gearbeitete“ Maus dann und schlug umgehend mit seiner Krallenpfote auf diese ein. Da sei Baldrian drin, sagte der Mann einmal, das würde die Katzen verrückt machen. Ich dachte Baldrian beruhige. Aber vielleicht nicht die Katzen. Ich schweife ab, das Thema, was welche Maus mit einem Tier mental macht, ist heikel und ich beende nun das Thema und überlege mir  stattdessen was der Satz: „A good Jack makes a good Jill“ bedeuten könnte. Man muss immer denken, sonst gehts bergab. Ich las den Satz in einem Buch über England, das stellenweise auch auf Englisch war. Sonst weiß ich immer sehr schnell was was bedeutet, aber da saß ich auf dem Schlauch. (Sagt man das so? Auf dem Schlauch sitzen? Nein ich glaube nicht, man sagt, Ich tappe im Dunkeln. So ist es richtig). Nun gehe ich wie immer hinaus in die Natur, um mich vom Leben abzulenken. Ein Bekannter, den ich dann mitten auf einem Parkplatz, auf dem Weg ins Natürliche treffe, berichtet mir ungefragt und am Standort verweilend wie eine Statue, daß er nun ein Busfahrer geworden ist. Ich frage, um wieder etwas Bewegung in alles zu bringen, ob wir den selben Weg gehen könnten, wenn ja, dann könnten wir jetzt los laufen, denn ich hätte Termine. Er schüttelt den Kopf und zeigt auf sein Auto. Ich muss lachen, wegen dem unverhofft empfundenen Gegensatz zwischen dem Busfahrerberuf und einem Autobesitz. Er versteht mein Lachen als Bewertung seiner Besitzverhältnisse, das es nicht sein sollte und beginnt sich zu rechtfertigen, dass sich der Betriebshof sehr weit draussen befände und er ja nachts, wenn Arbeitsschluss sei immer von dort nach hause kommen müsste. Ach so, ja klar, sag ich und finde es innerlich trotzdem komisch daß ein Busfahrer nicht mit dem Bus nachhause fährt, sondern sobald er privat agiert, ein blitzblankes Auto fährt. Auch zu dieser Situation, stelle ich dann fest, daß der Satz mit Jack und Jill nicht paßt. Schrägsonne scheint dann später in die Wohnung, direkt auf das alte Foto meines Vaters, das an der Wand hängt und auf dem man ihn sieht als er noch klein war. Es wird ausbleichen! Ich bin dann deshalb unzufrieden. Ich müsste das Foto umhängen, das sich hinter Glas befindet, und was man wegen der Spiegelung, die die Sonne  erzeugt, eigentlich gar nicht gut sehen kann. Man kann ja aber nicht einfach alle Hinterglasbilder in den Schatten hängen, nur damit sie nicht ausbleichen. Vor hundert Jahren hatte das Haus aussen, an jedem Fenster, eine Jalousie montiert. Das habe ich eimal im Archiv meines Bezirks, wo man alte Fotografien seiner Häuser sehen kann, entdeckt. Heutzutage muss man, anstatt einfach die Jalousie herabzulassen, andauernd einen Vorhang auf- und zuziehen. Ich habe dabei etwas Bedenken, dass die Nachbarin gegenüber denkt, daß ich andauernd schlafen gehe, also mich tagsüber hinlege und gehen lasse. Sie hat, das weiss ich ganz genau, bis zur Rente durchgearbeitet. Ich bin auch jedoch rentenversichert und zahle ein, was das Zeug hält. Das vermutet sie bei ständig zugezogenem Vorhang aber bestimmt nicht, sondern das Gegenteil: Faulenzenerei. Schlagartig muss ich daran denken, dass Mozart in einem Massengrab verscharrt worden ist. Schlimm. Aber eigentlich auch egal, er war da ja schon tot. Trotzdem bekommt man das schwer in den Kopf hinein. Er war ja später mal ein Weltstar.

© Bettie I. Alfred, 2019

Ein ganz normaler Hirbel, wie es ihn zu Tausenden auch bei Frauen gibt

September 19, 2021


In zehn Minuten muss ich los. Ich bin ein Mensch und –mittelalt-, wie man so sagt. Heute Abend gehe ich ausnahmsweise einmal, ich folge einer Einladung zum Pizzaessen, nach/in den Prenzlauer Berg, wo ich nie bzw. selten hingehe, da mich niemand bis wenige dorthin einladen. In zehn Minuten muss ich also los, weil ich zuvor noch in die Bibliothek gehen werde, um abgelaufene DVDs zu verlängern. Irgendwie kam ich nun vor wenigen Minuten, rein geistig, auf einen Musiker, den ich in meiner Jugend ange….. ja sagen wir es ruhig wie es ist, angehimmelt habe. Jedenfalls ist der jetzt ein Mann mit schütterem Haar und kein verlotterter Musiker mehr, sondern ein gepflegter Schriftsteller. Wie gerne würde ich sagen, „so wie ich!“. Doch das wäre eine Lüge, denn ich bin kein Mann. Schreibe zwar seit einem Jahrzehnt Bücher, doch es sind lediglich Notizbücher, die ich vollschreibe, und gepflegt bin ich zwar schon, jedoch sieht man das nicht gleich, denn die Haare sind in mehrere Richtungen tendierende Widerborsten und somit gelte ich wohl als ungepflegt. Von diesen Notizbüchern habe ich nun bestimmt schon weit über vierzig vollgeschrieben, doch noch nie kam ein Verleger und bat darum das Ganze verlegen zu dürfen. Das wäre ja auch zu schön. Jedenfalls habe ich nun, in einem Alter, ich versuche ja eigentlich nicht über mein Alter zu schreiben, doch ab und zu tut es ziemlich was zur Sache, denn es zeigt wie ausdauernd ich doch im Nichterfolgreichsein bin, ich habe also nun in einem Alter, wo die meisten mit etwas aufhören wollen, weil sie sich sichtlich ermattet oder tatsächlich auch krank fühlen, zum ersten Mal im Leben, ein Stipendium von einer Kunstakademie erhalten. Ich darf die nächsten Monate also etwas, was allerdings kein Buch sein soll, sondern ein Hörereignis sein muss, herstellen und werde im Voraus schon dafür bezahlt. Das ist eine unfassbare Tatsache, an der ich nur nicht zweifle, weil der Bescheid über die Zuwendung direkt vor mir liegt und ich das Wort ZUWENDUNG immer wieder lesen und mir dadurch vergegenwärtigen kann, daß es die Wahrheit ist. Eine Zuwendung. Eigentlich etwas, was bisher von einem Menschen kam oder nicht und nicht von einem Briefträger. Gut, nun gucke ich also, was dieser einst verlotterte Musiker und nun gepflegte Schriftsteller heute im Jahre 2021 so macht, wie er so drauf ist, wie man in Jugendsprache so sagt, und weil ich weiß, daß er schon immens viel geschrieben hat, ziehe ich mir also ein Interview rein (auch so spricht die Jugend) und bin nach ca. 10 Minuten schon dermaßen hibbelig, daß ich es nicht zu Ende konsumieren kann, weil ich unbedingt anfangen will oder sagen wir lieber muß, so wie er, ein Buch zu schreiben, das auf keinen Fall ein Notizbuch sein soll, sondern ein richtiges Buch zum Lesen. Natürlich was soll man machen, wenn man die Verlagsbranch nicht kennt (ich sage bewusst nicht „Brangsche“, weil mir das österreichische „Brongsch“ mehr zusagt), zumindest die Damen und Herren nicht, die einem mit dem Erfolgsgarantieschein zuwinken sollen. Der Schriftsteller begann seine Lesung, die ich mir im widerlichen Internet anschaute um mich zu vergewissern, daß er es tatsächlich ist, der ich denke, daß er es ist, mit einer Vorrede und einer kleinen Anekdote über John Lennon, der einmal einer meditiersüchtigen Frau ein Lied gewidmet hat, indem er sie bittet endlich hinaus in die Welt zu gehen, anstatt tagein tagaus immer nur zu meditieren. Der Schriftsteller sagte dann weiter, daß er den Inhalt des Songs und dessen Aussage, nämlich, daß die Wirklichkeit mehr zu bieten hat, als die Meditation, hervorragend findet und ihn das besagte Lied zu diesem neuen Buch inspiriert hätte. Ich fing dann, wie gesagt, umgehend an ein Buch zu schreiben. Schreibe also so vor mich hin und gucke dann zufällig mal auf den Wecker, der mich nicht mehr weckt seit ich aus der Schule raus bin und so lange schlafe wie ich will, und sehe, dass es in diesem Moment fast schon etwas zu spät ist, um rechtzeitig in die Bibliothek zu gelangen, doch da es teuer wird, wenn ich die Filme nicht verlängere, muss ich dann los. Wieso ich ausgerechnet dann, wenn die Möglichkeit zur Arbeit in Ruhe am minimalsten vorhanden ist, beginne ein Buch zu schreiben, zumal ich ja mit „der Zuwendung“ kein Buch, sondern ein Hörstück produzieren soll, ist mir dann noch lange ein Rätsel. Am Abend im Bett liegend kommt mir dann wieder „diese Einladung“ in den Sinn. Eine Einladung zu einer Art Zusammenkunft von Fachmenschen. Der Einlader schrieb etwas von einem Viersternehotel. Sofort wollte ich ihn fragen, ob ich anstatt in das Viersternehotel in ein Einsternhotel gestopft werden und dafür das Geld, was dann übrig bleiben würde, für etwas Anderes verwenden könnte. Der Ehemann pfiff mich zurück. Das ginge nicht, sagte er, der erfahrene Festivalreisende. Er fügte dann noch hinzu ich solle locker bleiben. Ich imaginiere mir dann noch den Ablauf „dieser Einladung“ und wie das Ganze von statten gehen könnte. Ich bekam dann „die Motten“ wie eine alte Freundin der Mutter es zu sagen pflegt, wenn ihr etwas zu viel wird. Dann stellte ich mir Thomas Bernhard in seiner Jägerkluft, genauer gesagt eingelassen in einen landesüblichen Wetterfleck, vor und wie er da säße im viel gepriesenen Viersternehotel und sich benehmen würde wie ein Elefant im Raum. Er war immer wütend, wenn andere einen sogenannten Kratzfuß machten. Er machte den ja auch ab und an, aber wenn es drauf ankam, dann macht er ihn nicht. Ich stellte mir dann vor, wie ich mit weißer Maske und womöglich ohne ein einziges G, was dann aber Pflicht wäre, im Lande der Österreicher, in einem Schlafsack zusammengekrümmt vor dem Viersternehotel kampieren müßte. Fühlte mich dann auch schlagartig wie ein Sternehotelleugner. Schnell kritzelte ich dann, um mich abzulenken, an meinem Buch weiter, und hatte dann plötzlich schon dreizehn Seiten geschrieben. In der Nacht schlief ich dann unruhig. Beim Lesen von „Das erste Mal“, eine Anthologie, in der Schriftsteller (eben auch der besagte vielseitig Begabte) genau das beschreiben, was seit Jahrzehnten mein Alltag ist, wie sie nämlich immerzu Wuste an Gedanken auf Papier laden, wird mir klar, daß ich die falsche Strategie habe. Ich will durch einen Hirnriss auffallen, dabei bin ich völlig normal. Ein ganz normaler Hirbel, wie es ihn zu Tausenden auch bei Frauen gibt.



© Bettie I. Alfred, 19.9.21

Die Sprache ist eine unvollkommene Stütze einer zu übertragenden Mitteilung

August 30, 2021

Das Katzentier sitzt auf dem durch Raserei vollkommen verrutschten Teppich. Es liebt Ohrenstäbchen und ich werfe ihm eins hin. Es bewegt sich kaum und hat offensichtlich keine Lust zu spielen. Ich knie mich vor es und zeige mit dem Ohrenstäbchen hektisch in alle vier Richtungen. Es guckt hin und her, beginnt aber keine Jagd, wie sonst. Ich sage ihm, dass es doch das Stäbchen einmal fangen könnte und ich in der Zeit, wo es umher rasen würde, den Teppich wieder gerade rücken könnte und ich es danach als Belohnung auch mit der Sorte Edelfisch füttern würde. Es reagiert nicht gross, sitzt weiter da, als sei es lediglich ein steinernes Abbild einer Katze. Mir fällt ein Satz aus dem Studium der Pädagogik ein: „Dirigismus blockiert!“ Tiereltern haben die gleichen Angewohnheiten wie Menscheneltern, wenn sich nichts bewegt, wird dirigiert, meist mit Worten. Es ist alles so simpel und doch so schwer. Die Angst, dass das Kind oder eben die Katze nicht das macht, was man will, ist doch immer ziemlich schnell da. Ich hätte schon früh grosse Lust gehabt zu experimentieren. Also etwas durcheinanderzubringen, was starr ist. Doch der Dirigismus war auch um mich ständig herum. Insgeheim sehnte man sich wegen ihm jedoch noch viel mehr nach Aufstand, als ohne ihn. Dies führte dann dazu, daß ich mir z. B. nicht mal den Anfang der sog. Buchstabiertafel (A wie Anton, B wie Berta….) merken konnte und deshalb am Telefon lieber auflegte als diese stümperhaft zu benutzen. Habe in der Bücherei versehentlich ein Buch bestellt. Dachte dabei es ginge um etwas anderes, als um das , worum es geht. Das Buch heisst Sprache des Kranken-Sprache des Arztes. Es ist ein Buch aus der Reihe Patientenbezogene Medizin. Interessant, dass es anscheinend auch Bücher über Medizin ohne Patientenbezug gibt. Jedenfalls sind in ihm winzig klein gedruckte mit Fremdwörtern durchsetzte Artikel über sehr spezielle Doktorthemen drin abgedruckt. Nach einem Absatz kapierte ich, dass dies kein Buch für mich ist. Ich las trotzdem sporadisch in ihm herum, um es nicht ganz ungelesen zurück zu geben. Und möchte hier nun einen kleinen Satz daraus zitieren. Es geht um die Sprache der Krankheit. Also wörtlich, um das Gesprochene des Kranken.

Letztlich und vor allem spricht die Krankheit zu uns durch den Mund unserer Kranken, und wir wissen sehr gut, dass hier die echten Schwierigkeiten beginnen. Die Sprache ist also eine unvollkommene Stütze einer zu übertragenden Mitteilung.

Der letzte Satz geht runter wie Butter. Ich werde ihn hüten wie einen Augapfel, er trifft alles was mit Sprache zu tun hat auf den Punkt. Die Unvollkommenheit ist selbstverständlich sehr unterschiedlich stark. Jedoch heisst es nicht, dass sich einer mit einer vollkommen vollkommenen Sprache, wenn es das denn gibt, besser vermittelt, als einer, der sich vollkommen unvollkommen, sprich grammatikalisch falsch oder auch umständlich ausdrückt. Der vollkommen vollkommene Sprecher verbirgt ja ab und an seine wahren Beschädigungen mehr als der vollkommen unvollkommene und täuscht somit, in diesem Falle den Arzt, ab und zu dermassen über sein wahres Leid hinweg, dass es für diesen einfacher sein kann, einen weniger vollkommenen Sprecher zu ergründen und schließlich zu behandeln. Fühle mich heute stubenscholastisch ganz weit vorne. Das kann mit dem verfrühten Herbstbeginn zu tun haben. Muss aber nicht.

© Bettie I. Alfred, 30.8.2021

Am Ende – ein Rennauto

August 20, 2021

„In der Schlinge eines künstlerischen Stils eingefangen, werden die Ereignisse im Universum neutralisiert.“ Das meint Sartre. Ich sitze unter Wolken in einem Garten und denke über diesen Satz nach. Es ist ein wenig frisch, dann bricht die Sonne heraus und es ist bullig heiss. In der Schlinge eines künstlerischen Stils… Das trifft den Kern des Problems und doch ist es eine durchaus typische Situation im Künstlermilieu. Wieder Zuhause halte ich dann aus Vergnügen den Kater wie eine Gitarre, also strecke seinen Hals mit der linken Hand ganz lang, so wie als sei er ein Griffbrett und am Bauch schlage ich mit rechts imaginär die Seiten. Er ist verwirrt und regt sich vorerst nicht, doch dann merkt er, dass er zur Freude des Menschen fehlbenutzt wird und beisst zu. Ich lasse ihn frei und verarzte mich. Obwohl er nur noch wenig Zahnsubstanz hat, kann er noch kraftvoll zubeissen. Er ist dann weiterhin zornig und weicht mir aus. Ich gebe ihm Brom zur Beruhigung (habe irgendwo gelesen, dass Brom beruhigt). Dann schläft er ein. Der Nachbarjunge der im Stimmbruch ist, telefoniert sehr laut im Hof. Ein einziges Gekrächze ist das. Im Lexikon der Fremdworte steht, dass Stimmbruch auch Mutation bedeutet. – Um dem Gefühl der Alterung etwas entgegenzusetzen gehe ich seit einer Woche zweimal wöchentlich Joggen. Ich hoffe dass ich kein Sportlerherz davon bekomme, denn das, was ich darüber las, klingt unangenehm. Beim ersten Mal Lauftraining bin ich gleich ungeschickt in einen Hundeberg gerannt. Also mit dem Fuss kräftig hineingestapft. Der Mann hat dann mit einem Zahnstocher die Rillen im Schuh wieder frei gekratzt. Das hat Stunden gedauert und ich wusste lange Zeit gar nicht wo er ist. Dann waren wir vorgestern im historischen Kino. Ein alter Fernsehfilm wurde wiederaufgeführt. Weil ich zu nah dran saß machte mir die grobe Körnung des alten Filmmaterials Kopfweh. Ich musste nach hinten fliehen und stürzte eine kleine Stufe hinunter, weil ich im Dunkeln nichts sah. Da alles mit Teppich ausgelegt war, fiel ich zum Glück relativ weich und musste lediglich kurz lachen. Ein freundlicher Herr dachte ich wäre verletzt und mein Lachen sei Weinen und eilte herbei zum Verarzten. Ich flüsterte weiterhin liegend, um niemanden zu stören, dass nichts passiert sei. Er sagte er sei Arzt und wollte mich betasten wegen eines möglichen Bruches. Dann realisierte er, dass mein Weinen nur ein Lachen gewesen war und zog sich wieder ins Dunkle zurück. Ganz hinten war es dann mit der Sicht kurz besser, doch hier war nun der Ton zu leise. Im Film ging es um eine Frau aus Ostdeutschland, die in den Westen gehen darf und sich in dessen Dekadenz versucht zurechtzufinden. Der sehr junge Hugo Egon Balder war in dem Film ein Statist und rauchte eine Zigarette auf dem Arbeitsamt mit ihr. Ein Höhepunkt. Dann redete man kurz von dem Stasi. Es war eigentlich ein ernster Film, deshalb wunderte man sich im Kino über diese Formulierung. Mich erinnerte es daran, wie mir mein Vater als ich Kind war Heidi im Original vorgelesen hatte. Da hiess es auch nicht die Heidi, sondern das Heidi. Ich ging dann verfrüht heim und zu Hause war ich dann allein mit dem Tier. Das Tier war dann auch sichtlich erschreckt weil ich so früh schon wieder da war und sauste um die Ecke. Ich las dann noch in einem grünen Buch. Es handelte eigentlich vom Leben eines Kunstsammlers, der auch Psychiater ist, doch am Ende, an dem ich dann angelangte, ging es wieder nur noch um die Rennautos, die er gerne besitzen würde.



© Bettie I. Alfred