Archive for the ‘Der Mensch’ Category

Das einzig angenehme Licht ist das Zwielicht

September 17, 2020

Sonnenschein, immerzu Sonnenschein. Das kann einen wirklich zur Weissglut treiben. Ich bin kein Freund des Sichindiesonneknallens. Ich finde das unangenehm und verstehe es nicht recht, wie Menschen es als angenehm empfinden können sich in beissendem Glutlicht aufzuhalten. Auch die Lederhaut, die davon meist auf kurz oder lang zurückbleibt empfinde ich nicht als etwas Schönes. Ein unnatürlich sonnengebräunter Mensch ist immer unangenehm anzuschauen. Was ist dagegen ein natürlich blasser Mensch in einem schattigen Hinterhof mit Pilzbewuchs und rostigen Rädern, die keiner mehr haben will ? Auch vom Inhalt habe ich das Gefühl, dass mir die Menschen, die gerne viel anziehen und eher auf ihre Füsse schauen als in die Sonne, angenehmer sind, vor allem als Gesprächspartner. Sie bieten weitaus mehr Stoff an, als die meist oberflächlich daherschwätzenden leichtbekleideten Sonnenanbeter. Je weniger Kleidung am Menschen dran ist, desto eingeschränkter ist, meiner Meinung nach, oft sein Geist. Neulich war ich spazieren. Auf einem Friedhof. Wenn da die Sonne scheint, ist das etwas ganz anderes. Obwohl selbst dort die wahren Orte, die sind, wo, wenn überhaupt Licht, dann ein Zwielicht herrscht. Unter Bäumen, hinter der Kapelle. Auch Fotografien sind immer schöner, wenn sie nicht in direkter Sonne gemacht wurden. Am allerschönsten sind die Bilder, die im Regen spielen. Ein sehr berühmtes Foto, das man einfach lieben muss, ist das, wo man eine Frau mit Schirm über eine Pfütze springen sieht. Ein wunderbares Foto, vermutlich in London geschossen. Lange hat es übrigens nicht geregnet. Wie ich das vermisse! Zu gerne würde ich mal wieder einen Herbst in London verbringen. Dann würde ich die Sieben Raben, die im Tower leben besuchen. Wobei man das im Grunde genommen nicht tun sollten, denn sie sind gestutzt, damit sie nicht davon fliegen können. Im Grunde ist das eine Sauerei sondergleichen. Wenn ich denn schon in England wäre, würde ich auch gleich noch meine geliebte Rotten Row besuchen. Das ist ein malerischer Wanderweg in Southport nördlich von Manchester. Ich bin noch nie da gewesen, habe aber viel darüber gelesen und auch Joyce schwärmte schon von ihr. Beim nächsten Bibliotheksbesuch versuche ich mal ein Buch über die Rotten Row zu finden. Es gibt ja über fast alles Bücher. Kein Thema, wo es kein Buch drüber gibt. Jedenfalls kommt es mir so vor. Selbst über einen Karpaltunnel  gibt es Bücher haufenweise. Eins steht jedenfalls fest, es gibt keinen Menschen, der alle Bücher besitzt. Nicht einmal alle Bücher in seiner Sprache und auch nicht einmal alle Bücher in seinem Bereich. Selbst über Thomas Bernhard gibt es so viele Bücher, dass ich sie mir nicht alle besorgen kann. Es entstehen auch ständig neue und man entdeckt sogar andauernd unveröffentlichte Manuskripte von ihm. Bernhard wollte dass niemand in Österreich seine Sachen veröffentlichen darf wenn er tot ist. Nun schafft man Gesetzeslücken und tut es trotzdem. Sobald ich wüsste, dass ich des Todes wäre, würde ich alles in den Ofen schmeissen. Nein, nicht alles, aber das, was ich vom Geschriebenen selbst nicht recht verstehe. Man wird ja zu einem völlig anderen Menschen gemacht, wenn man den Verlagen und Lektoraten freien Lauf lässt. Das Tier ist diesbezüglich ein König. Es hinterlässt nichts. Selbst seinen Anzug nimmt es mit ins Grab. Ausser ein Mensch stopft es aus. Die Katze hat ein unglaublich schönes Fell, immer wieder stellt sich die Frage, ob man es erhalten sollte, im Falle dass sie sterben würde. Zumindest ein DreiDFoto sollte man wohl von ihm, denn sie ist ein er, machen.

© Bettie I. Alfred, 17.9.2020

Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred.
In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen.
Unten können sie einen sogenannten Blog lesen, den Frau Alfred neben ihrer Tätigkeit als Romanschreiberin, seit über zehn Jahren regelmässig schreibt. Hier geht es meist um ihren aberwitzigen Alltag, den sie in ihrer verqueren Komik darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens mit den komischen zu verbinden. Dies ist nicht immer möglich und ab und zu wird dem Leser auch mal das Lachen im Halse stecken bleiben.
Es gibt bewusst keine Absätze, um den meist in unbefangenem leichtem Plauderton geschriebenen Beitrag wenigstens in einer klaustrophobischen Textwand darzubieten.