Aus dem Hohlraum (ein Kammernhörspiel)

Aus dem Hohlraum
ein düster groteskes Kammernhörspiel

Ein Paar in einer Wohnung. Jeder in seiner Kammer. Die Frau eine erfolglose Schriftstellerin, der Mann ein überflüssiger Erfinder. Man beobachtet sich gegenseitig. Türen gehen auf und zu, Herzen ebenfalls. Man erkennt sich und doch nicht. Man versteht sich und doch nicht. Das Leben, ein Leben und doch nicht. Ewiges Überdenken und doch nicht. Das Leben im Hohlraum ist am Ende das Ende.

Mit Bettie I. Alfred und Jens Harzer
Realisation Bettie I. Alfred

HohlraumHörspiel

© Bettie I. Alfred 2021

Liebe Tochter,
habe mir Dein neues Hörspiel gestern mit großer innerer Teilnahme
angehört. Ich finde es wieder bemerkenswert. Mit sehr sparsamen Mitteln
eindrucksvoll ausgestaltet  und trotz der Handlungsarmut fesselnd. Ich
finde es auch keineswegs „krass“, jedenfalls nicht krasser als „Das
Leben – ein Fest“, dessen Grundmotiv wieder aufgenommen wird. Das Stück
ist beseelt von einem subtilen, nicht an der Oberflächespürbaren Humor. 
Das Hören des „Hohlraums“ hatte eine seltsame und erstaunlicher Weise durchaus
„wohltuende“ Wirkung auf mich. Die Grundmotive einer gepflegten Langeweile,
einer virulenten Existenz- und Zukunftsangst, wie sie vor allem von dem „Mann“
geschürt worden ist, sowie der beziehungslosen Beziehung, wie sie von beiden
Protagonisten von ihren abgeschotteten, aber mit Fenstern ausgestatteten
Echokammern in „gepflegter Weise“ nicht gepflegt wird, schaffen erst einmal ein
– allerdings in einem sehr niedrigen Voltbereich liegendes – spannungsgeladenes
Grundgefühl der Beunruhigung. Aber  die Ausgestaltung des Dialogs und der
Neben- und Hintergrundgeräusche einschließlich der einschläfernden Stimme und
Artikulation von Jens Harzer – Dein eigener Sprachduktus ist bei mir
eher mit „korrekt artikulierter Problembeschreibung“ und „Richtigstellung möglicher
Missverständnisse und Fehlschlüsse“ assoziiert – hat für mich etwas Tröstliches und
Spannung Lösendes. Trotz der offensichtlichen Perspektivlosigkeit und dem
Wahnsinn am Ende.
Es ist schon alles richtig. So könnte es ewig weitergehen! So kann man –
durchaus selbst-, welt- und lebenskritisch – dieses Leben – auf einem relativ
niedrigen Angstniveau, aber auch begleitet von dem angenehm-unangenehmen
Grundgefühl, jede Menge Schönes, aber auch Unschönes versäumt zu haben und weiter
zu versäumen, dieses Leben zu Ende verdümpeln.
Erstaunlich meine Erfahrung beim Hören, dass es nach den ersten Minuten, in denen ja
schon alles gesagt zu sein scheint, noch – in der gekürzten Fassung – weitere 50
Minuten gibt, in denen absolut nichts passiert, außer Geistesblitzen und
Anreizen für Seelenbewegungen, die immer wieder gespannte Aufmerksamkeit
aufbauen und den Hörer am Schluss mit einer angenehmen Bettschwere
wieder ins eigene Universum entlassen.

Berlin, 15.Juni 2021
Karl-Heinz Alfred