Am Ende – ein Rennauto

„In der Schlinge eines künstlerischen Stils eingefangen, werden die Ereignisse im Universum neutralisiert.“ Das meint Sartre. Ich sitze unter Wolken in einem Garten und denke über diesen Satz nach. Es ist ein wenig frisch, dann bricht die Sonne heraus und es ist bullig heiss. In der Schlinge eines künstlerischen Stils… Das trifft den Kern des Problems und doch ist es eine durchaus typische Situation im Künstlermilieu. Wieder Zuhause halte ich dann aus Vergnügen den Kater wie eine Gitarre, also strecke seinen Hals mit der linken Hand ganz lang, so wie als sei er ein Griffbrett und am Bauch schlage ich mit rechts imaginär die Seiten. Er ist verwirrt und regt sich vorerst nicht, doch dann merkt er, dass er zur Freude des Menschen fehlbenutzt wird und beisst zu. Ich lasse ihn frei und verarzte mich. Obwohl er nur noch wenig Zahnsubstanz hat, kann er noch kraftvoll zubeissen. Er ist dann weiterhin zornig und weicht mir aus. Ich gebe ihm Brom zur Beruhigung (habe irgendwo gelesen, dass Brom beruhigt). Dann schläft er ein. Der Nachbarjunge der im Stimmbruch ist, telefoniert sehr laut im Hof. Ein einziges Gekrächze ist das. Im Lexikon der Fremdworte steht, dass Stimmbruch auch Mutation bedeutet. – Um dem Gefühl der Alterung etwas entgegenzusetzen gehe ich seit einer Woche zweimal wöchentlich Joggen. Ich hoffe dass ich kein Sportlerherz davon bekomme, denn das, was ich darüber las, klingt unangenehm. Beim ersten Mal Lauftraining bin ich gleich ungeschickt in einen Hundeberg gerannt. Also mit dem Fuss kräftig hinein gestapft. Der Mann hat dann mit einem Zahnstocher die Rillen im Schuh wieder frei gekratzt. Das hat Stunden gedauert und ich wusste lange Zeit gar nicht wo er ist. Dann waren wir vorgestern im historischen Kino. Ein alter Fernsehfilm wurde wiederaufgeführt. Weil ich zu nah dran saß machte mir die grobe Körnung des alten Filmmaterials Kopfweh. Ich musste nach hinten fliehen und stürzte eine kleine Stufe hinunter, weil ich im Dunkeln nichts sah. Da alles mit Teppich ausgelegt war, fiel ich zum Glück relativ weich und musste lediglich kurz lachen. Ein freundlicher Herr dachte ich wäre verletzt und mein Lachen sei Weinen und eilte herbei zum Verarzten. Ich flüsterte weiterhin liegend, um niemanden zu stören, dass nichts passiert sei. Er sagte er sei Arzt und wollte mich betasten wegen eines möglichen Bruches. Dann realisierte er, dass mein Weinen nur ein Lachen gewesen war und zog sich wieder ins Dunkle zurück. Ganz hinten war es dann mit der Sicht kurz besser, doch hier war nun der Ton zu leise. Im Film ging es um eine Frau aus Ostdeutschland, die in den Westen gehen darf und sich in dessen Dekadenz versucht zurechtzufinden. Der sehr junge Hugo Egon Balder war in dem Film ein Statist und rauchte eine Zigarette auf dem Arbeitsamt mit ihr. Ein Höhepunkt. Dann redete man kurz von dem Stasi. Es war eigentlich ein ernster Film, deshalb wunderte man sich im Kino über diese Formulierung. Mich erinnerte es daran, wie mir mein Vater als ich Kind war Heidi im Original vorgelesen hatte. Da hiess es auch nicht die Heidi, sondern das Heidi. Ich ging dann verfrüht heim und zu Hause war ich dann allein mit dem Tier. Das Tier war dann auch sichtlich erschreckt weil ich so schnell schon wieder da war und sauste um die Ecke. Ich las dann noch in einem grünen Buch. Es handelte eigentlich vom Leben eines Kunstsammlers, der auch Psychiater ist, doch am Ende, an dem ich dann angelangte, ging es wieder nur noch um die Rennautos, die er gerne besitzen würde.



© Bettie I. Alfred


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