einst war mir die perückentaube ein graus

schreibe heute mit nur einer hand. die andere streikt. deshalb alles klein. passt gut zu meiner momentanen lektüre. eine doktorarbeit über paul wittgenstein. er spielte ganze orchesterwerke mit nur einer hand auf dem klavier. mir reicht es jetzt schon nach wenigen sätzen. man muss übrigens aufpassen, dass man die menschheit nicht nur noch in befürworter und gegner teilt. bzw. die eigenen emotionen nicht aufteilt in solche die man für die einen empfindet und solche die man für die andern empfindet. die schnittmengen sind manchmal viel bedeutender, als die positionen selbst. Ich hatte z.b. lange ein sehr schwieriges verhältins zu tauben. nicht, weil sie ein „schmuddeliges“ image haben, das stört mich gar nicht, eher waren es die anderen bereiche, ihre extravaganzen, die mich an ihnen zweifeln ließen. die perückentaube z.b., die erzeugte in mir eine abwehr sondergleichen. unglaublich aufgeplustert erschien diese mir immerzu wenn ich sie mir auf bildern im Vogellexikon anschaute. dann betrachtete ich solch eine einmal ganz genau (ein Freund lieh mir sogar ein Päparat) und entdeckte unter ihrer Plusterhaube ganz unverhofft ein perlmutten schillerndes federkleid.

© bettie i. alfred, 23.4.21