Die Glocken, die Glocken!

Der Frühling kommt. Im Bahngraben, wo die Bäume vor meinem Fenster stehen, wird es langsam grün. Ich bin kein Freund vom Frühling. Er stört mich jedes Jahr aufs Neue. Er macht klar, dass wieder was um ist. Ein Jahr nämlich. Und da jedes Jahr das letzte Jahr sein könnte, ist es immer wieder eine Zäsur. Kalt ist es natürlich auch im Frühling noch und die einzige Freude die ich tatsächlich empfinde, ist die, wenn ich die Vögel sehe, die manchmal ganz dicht an meinem Fenster vorbeifliegen. Gestern erst wieder ein Reiher. Als läge er im Wasser, bewegt er sich leicht wiegend in der Luft. Er war so nah, dass ich sein eines Auge blinzeln sehen konnte. Unvergessen auch der Moment, als ich mit einem Freund in Übersee telefonierte und plötzlich wie aus dem Nichts sich ein Raubvogel mit enormer Spannweite direkt an meinem Fenster zur über dem Fenster sich befinden Dachrinne, empor schwang. Auch er war so nah, dass ich seine Augen blinzeln sehen konnte. Was Vögel wohl über uns Menschen denken? Ohne sie wäre jedenfalls der Frühling nichts als eine Zeit der Tragik. Versuche gerade ein Hörspiel über die Zeit als ich ein Schauspieler werden wollte, zu schreiben. Eine bekennende Alfred-Fänin brachte mich darauf. Plötzlich träume ich von Aufnahmeprüfungen als seien sie gestern gewesen. Ich sprach die Lena von Büchner vor. Erinnere mich als sei es…ach das sagte ich ja bereits,….wie ich heulend „Die Glocken, die Glocken!“ rief.

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