Abenteuer Restaurierung

Während sich die heisse Biene auf dem Sofa räkelt, sieht man im Hintergrund die enorm hohen Fenster samt Glasdach des Malerateliers, indem der Film spielt. Der Bekannte mit dem ich den Film schaue sagt: „Wow!“ Ich weiss sofort wen er meint. Die Fenster! Am Wochenende fand ich auf dem Flohmarkt dann zwei alte „Louis Quinze Stühle“ (so schoß es mir zumindest in den Kopf, als ich die gebogenen Beinchen sah), die gut in dieses Atelier gepasst hätten. Man hatte sie weggeworfen, weil ihr Flechtbezug vollkommen zerstört war und niemand sie haben wollte. Man hatte sie wohl Jahrzehnte im Regen stehen lasen. Einige Sachensammler standen drumherum und diskutierten darüber, ob sie zu retten seien. Ehe sie sich versahen hatte ich die Stühle, geschickt wie ich nun einmal bin, auf mein Radgepäckträger getürmt und war damit, den Theoretikern noch zum Abschied winkend, vorerst vielbestaunt von älteren Kandidaten, in den Park, wie mein eigentlicher Plan gewesen war, und dann mit einigen Unterbrechungen, wegen zu starkem Wackelns, zum Neuarrangieren der Beute, nach hause geeilt. Die schöne Aufgabe diese Trümmerstühle wieder in Stand zu setzen, stand mir nun bevor. Da ich immer alles sofort mache, begann ich umgehend damit mit einer Kneifzange die Flechtflächen abzukneifen. Dann wurden mit einem sogenannten Dremel die Überstände abgedremelt, was viel Spass machte, da es kaum Kraft erforderte. Dann nahm ich mit einer starken Aluminiumfolie Maß und schnitt eine Schablone für die nun leere Sitzfläche aus. Diese übertrug ich auf die Bretter von einer alten Teekiste, die man zufällig noch hinterm Ofen stehen hatte. Dann wurde gestichsägt (immer wieder etwas mehr, bis es passte) Ränder abgeschmirgelt, damit sich die feine Dame, die sich setzt, nicht die Perlonstrümpfe zerstört, und alles kirschbaumfarben gebeizt und am Schluss zwei niedliche Kissen (nicht zu niedlich, aber aus einem alten asiatischen Mädchenkleid und somit natürlich nicht gerade herb im Muster) genäht. Das Ganze hat natürlich ein paar Stunden gedauert, denn beim Beizen beizte ich die Umgebung ein wenig mit, was dann wieder entfernt werden musste, was auf Holz gar nicht gut geht, so dass nun der Küchentisch Flecken hat, was aber passt, denn ich bin ja nunmal ein toleranter …. ähm Freigeist ( …fast hätt ich schon Querdenker gesagt ). Hier nun einer der Stühle, ach nein, doch gleich beide (leider habe ich die Urstühle nicht fotografiert, der Unterschied ist frappierend):

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Dann kam der Sitztest und der impertinente Eindruck: Es sind Stühle für Kinder oder lediglich für kleine breite Menschen, aber nicht für hochgewachsene Athletinnen. Was nun? Nun ja man kann sie ja einfach anschauen und wenn Besuch kommt von kleinen Dicken oder Kindern, denen dann einen zwar unbequemen aber interessanten Sitzplatz anbieten. Nun sage nochmal einer ich sei ein phrasenhafter Nichtsnutz!

© Bettie I. Alfred, 15.9.2020