Aufgefächert und beschwert

Die Zeit für Spontanleser ist gerade eine ganz großartige. Überall stehen Kartons mit Büchern drin herum, die man ohne ein Entgeld zahlen zu müssen, einfach so mitnehmen kann. In einer Kiste fand ich einmal die Reste eines offensichtlichen Kunstliebhabers:

  1. Gilot/Lake: Leben mit Picasso
  2. Bernhard Shaw: Briefwechsel mit seiner Freundin Stella Patrick-Campbell
  3. Frau und Hund, Zeitschrift für kursives Denken

Wunderbare Werke, soweit ich das, ohne sie gelesen zu haben, überhaupt beurteilen kann. Ihr Zustand KATASTROPHAL: Vergilbt, zerschlissen, nach Keller stinkend. Eigentlich kein Problem für mich, würde meine Lunge nicht asthmatisch auf  einen bestimmten Keimgeruch (ich vermute Schimmelsporigkeit) reagieren.
Da das Eisfach schon voll war, legte ich die Werke, es war ja noch kalt damals, aufgefächert und beschwert auf meine zugige Fensterbank. Nun ist morgen schon der erste Mai und wie ich heute nun einmal nachschaue und testrieche, um eventuell meiner Lust danach in „Frau und Hund, Zeitschrift für kursives Denken“ hinein zu lesen, nachgehen zu können, stelle ich fest, dass glücklicherweise „Frau und Hund, die Zeitschrift für kursives Denken“ inzwischen nicht mehr stinkt, sondern sogar richtiggehend gut riecht. Nur Shaw und Picasso mufften wie eh und je. So what.
Ich verbringe also nun den letzten Apriltag mit „Frau und Hund, Zeitschrift für kursives Denken“. Übrigens von niemand geringerem als einem Herrn M. Lüpertz herausgegeben. Was mich tatsächlich erstaunt, weil mein erster Gedanke, ob des Titelbildes und der Aufmachung folgender war: „Ach guck mal, schon wieder so ein Selfmade-Buch aus dem Copyshop.“ Die Titelgläubigkeit liess mich dann aber beim Wort Lüpertz aufzucken und mich sogar leicht schämen. So, als wäre ein Name eigentlich ein Garant.
Was vollkommener Quatsch ist, wie man hier sieht.

© Bettie I. Alfred, letzter Tag im April 2020

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