Zu nah am Original

Man prosaiert den ganzen Tag (also manchmal den ganzen, meistens nur mal für zehn Minuten) wild vor sich hin. Für diese kleinen Anekdoten hier erfindet man Situationen, Personen und Wetterlagen. Mischt dann alles zu einem Gemüsegratin zusammen und gibt allem eine Überschrift. Die Bäckersfrau erscheint als Nachbarin und ein Mann, den man mal auf der Strasse sah, wird zum befreundeten Studenten, der Baumtests mit einem macht. Man ist meistens um die 40 und eine verschrobene, humorvolle, aber auch sehr deprimierte und uneitle Frau mit Katze. Der Ehemann dieser Frau ist ein Mann, der mit ihr, der Hauptfigur verheiratet ist und es gibt ihn aber so nicht wirklich, denn der ist nicht der echte Ehemann, ist definitiv nicht der Ehemann aus den Geschichten, sondern er trägt nur meist den selben Strick-Pullover und hat in meiner Vorstellung eine ganz andere Stimme, als der echte. Der Ehemann aus den Geschichten, vor allem innerlich gesehen, ist ein ganz anderer Typ. Vor allem eben ist er aber ein Student! Er ist eher ein, also jetzt mal klassisch psychologisch gesehen, sicher autonomer Typ, der natürlich zugespitzte Eigenheiten hat, um meine Phantasie noch mehr in Gang zu bringen. Da ich so gut erfinden kann, meint man dann die Realität vor sich zu sehen und plötzlich bringen mir Menschen, soz. in Echt, warme Decken und Thermoskannen voll mit Yogitee. Ich resümiere nach drei Jahren:
In der Kunstfigur steckt zu offensichtlich das Original.
Ich muss das ändern.
Jetzt wird erstmal E.T.A. Hoffmanns Kater Murr gelesen. Es wird Zeit sich wieder mal den Tieren zu widmen. Als nächstes dann „der“ Steinlaus.

© Bettie I. Alfred 2019

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