Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. Unten können sie einen sogenannten Blog lesen, den Frau Alfred neben ihrer momentanen Haupttätigkeit als Hörspielmacherin seit über zehn Jahren regelmässig schreibt. Hier geht es meist um ihren aberwitzigen Alltag, den sie als abseitige Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor (der zwar ab und an gar nicht komisch, jedoch niemals bitterböse ist) und einem analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Dies ist nicht immer möglich und ab und zu wird dem Leser auch mal das Lachen im Halse stecken bleiben. Es gibt bewusst keine Absätze, um dem meist in einem unbefangenem Plauderton geschriebenen Beitrag eine Dringlichkeit zu geben, die er nach Alfreds Meinung, immer haben sollte.

„Es sollte alles erstaunlich bleiben, denn sobald die Dinge nicht mehr erstaunlich sind, ist die Kindheit vorüber“ Ionesco

Absprung

Juni 12, 2021

Die Zeit verrinnt, auch wenn man viel in Bewegung ist. Vielleicht sogar schneller, wenn man viel in Bewegung ist. Man fragt sich langsam, ob es gut wäre sich möglich gar nicht mehr gross zu beanspruchen, um die Abnutzung des Ganzen etwas einzudämmen. Beim Bestellen von einer doppelten Portion Pommes Frittes, fragt die faltige, aber gut gelaunte Imbissbudenverkäuferin wie man sie altersmässig einschätze. Sie würde immer viel jünger geschätzt, weil sie noch so fit aussehe. Ich schätzte sie dann glücklicherweise ein paar Jahre jünger. Fast wäre es peinlich geworden. Dann sagt der Mitgeher, daß er ebenfalls immer viel jünger geschätzt würde. Sie nennt prompt eine Zahl und der Mitgeher lacht und sagt: Plus zwanzig. Dann ist das Gespräch erschöpft. Merkwürdig ist das immer mit dem Alterschätzen. Ich denke viele Fehleinschätzungen haben mehr mit dem Verhalten als mit Faltenbildung zu tun. Auch mit Accessoires, die man so mit sich trägt. Und auch das Tragen von Kleidung ist wichtig. Ein Opa in Sportschuhen lässt den Enkel älter wirken bzw. den Opa jünger. Zu meiner Kindheit waren Omas und Opas beige. Alle. Es gab keine bunten Großeltern. Mal ein Einzelstück, was dann aber auch eine andere Art Großmutter oder – vater war, ein/e Künstler/in z.B.. Diese Schuhe, die aus einer Art Schaumstoff gestanzt werden, mit denen begann alles anders zu werden. Der sog. Matildaeffekt, es geht dabei um das Phaenomen, dass ein Text, den eine Frau geschrieben hat, automatisch einem Mann zugeordnet wird, wie es anscheinend einmal an der Tagesordnung war, ist inzwischen weitgehend ausgemerzt. Das ist natürlich gut so, bringt aber andere Probleme mit sich. Die Irrwege der Geschichte waren oft, trotz ihrer Fragwürdigkeit, Auswege aus etwas. Dass es in den Kleidergeschäften kaum noch Probierzellen gibt, was wohl dazu anregen soll einfach nur noch drauflos zukaufen, das ist ein absoluter Irrweg der Industrie. Doch sehen die Erfinder einer solchen Taktik das Ganze als einen Erfolg an. Immer mehr Eckkneipen verwandeln sich in Viereckkneipen. Moderne Hirne sitzen nun darin und verhandeln die Zukunft ihrer entmenschlichten Kinder. Um meine Handmuskeln zu trainieren versuche ich das Katzentier in der Jan Balet-Haltung (siehe unten) in die Luft zu heben. Es klappt nicht, es springt immerzu ab wenn es bergauf gehen könnte.

© Bettie I. Alfred, 12. Juni 2021

Die Faulheit ist eigentlich ein Kunstwerk

Juni 9, 2021

Die Faulheit als Symptom ist nach Alfred Adler eine zweckdienliche Schöpfung des Menschen. Man mag über diesen Satz schmunzeln, doch das Thema lässt mich nicht kalt. Die Erwachsenen sprachen oft mit anderen Menschen über die stinkendfaule Tochter. Man stellte Regeln auf. Erst lernen – dann Fetemachen. Es funktionierte nicht, nervös und unkonzentriert zappelte man herum. Hätte man sich wissenschaftlich mehr mit dem Symptom befasst, hätte man erfahren, dass die Behandlung des Symptoms zwecklos ist und man mit dem Herumbasteln an ihm, reine Symptomkosmetik betreibt. Da ich mich selbst viele Jahre, pädagogisch enorm interessiert, immerzu weiterbildete, liess ich mich durch das Studieren von Büchern über „schwierige Kinder“ immer wieder bestätigt wissen, was ich intuitiv schon immer wusste: Druck hilft bei Kindern (wie bei Erwachsenen übrigens auch) nie und die Frage wogegen er sich eigentlich richtet, ist weitaus wichtiger, als die, wie dieser aufgebaut wird. Der von Faulheit betroffene folgt nach Reinhold Ruthe (Individualpsychologe) einer Art „privater Intelligenz“. Faule Kinder seien wie Seiltänzer, die Dank eines Netzes immer weich fallen. Weich, da es weitaus schmerzfreier für sie sei, als „faul“ bezeichnet zu werden, als wenn ihnen ständig angedeutet würde, dass sie unfähig seien. Ruth konkretisiert sein Bild noch und ist der Meinung, dass die Symptomwahl (egal übrigens welches Symptom das Kind wählt) im Grunde ein Kunstwerk darstelle und somit eine Schöpfung, sprich eine schöpferisch Leistung sei mit der es vermeintliche Niederlagen, die ihm sonst andauernd drohen würden, zu umgehen versuche. Diese psychischen Vorgänge des Symptomatisiserns, die sich meist beim Schulkind ja erst so richtig zeigen, sind also psychisch wie körperlich und geistig sehr anstrengende Prozesse. Eltern die dann mit Druck kommen, egal, wie sanft verpackt er auch angewendet wird, tun also alles, damit das Festhalten am Symptom (Faulheit, Platzangst, Klassenclownerie, Esssucht) weiterhin einen Sinn ergibt. Strenge hilft nie, Entwertung durch Nichtbeachtung des Problems, jedoch auch nicht. Das einzige was wirklich nützt ist die hunderprozentige Annahme des Kindes, so wie es ist. Mann nennt es auch bedingungslose Liebe. Meist sind die Eltern jedoch stark damit befasst ihre eigenen „Fehler“ im Kind, wie auch immer, zu bearbeiten und das führt dazu, dass das Kind auf Dauer nicht mehr recht weiss wer es ist, weil es sich ständig mit dem Vater bzw. der Mutter identifiziert. Deshalb ist ein gewisser Abstand der Gefühle von Nöten, der allerdings schnell zu Kälte führen kann. Lässt man Kinder mit ihren emotionalen Nöten dann aus Angst alles falsch zu machen, allein, führt dies bei dem schnell zu einem Einsamkeitsgefühl, welches dann wiederum eine Art Fatalismus beim Kind dem Leben gegenüber erzeugen kann. Dann kommt die sog. Pechvogelideologie zum Zuge. Der Pechvogel sammelt dann immerzu Beweise für seinen Glauben. Auch ich war so ein faules Schulkind ganz ohne Selbstvertrauen (zum Glück nicht ganz ohne Selbstbewusstsein- das ist ein Unterschied!) und der Pechvogel war auch mir lange der liebste Vogel. Ich mag ihn immer noch mehr als den Pfau. Ein Pfau ist allerdings doch auch imposant, er kann ja nichts dafür, dass er so schön ist.


© Bettie I. Alfred, 9.6.2021

Ottomar Domnick hatte recht. Das Allerwichtigste ist die Tätigkeit!

Juni 6, 2021

Hitze ist dazu da um ihr auszuweichen. In Werkstätte, Arbeitszimmer oder auf Dachböden bzw. Keller oder gleich ins Studio B.


Die im Alter sich herausschälende Verrücktheit ist jedenfalls, zumindest beim Menschen, völlig normal.

Juni 3, 2021

Mit dem altmodischen Kurbelspitzer spitze ich alle Bleistifte an, die in der Wohnung zu finden sind. Das sind eine ganze Menge. Niemand benutzt hier Bleistifte. Alle nur die guten alten Kugelschreiber. Füller gibt es zudem etliche, die zum Einsatz kamen als man den Großeltern Weihnachts- oder Geburtstagskarten schrieb. Man hatte automatisch das Gefühl sich mehr Mühe zu geben, wenn man einen Füller nahm. Irgendwo lese ich etwas von einer Nichteinheit. Ja, das ist es, was ich auch bin, eine Nichteinheit. Jeder Mensch ist wohl mehr oder weniger eine Nichteinheit. Die im Alter sich herausschälende Verrücktheit ist jedenfalls, zumindest beim Menschen, völlig normal. Treffe tatsächlich täglich Menschen jenseits der Jugend, die Dinge sagen oder tun, die keinen oder zumindest nur fragmentarisch Sinn ergeben. Mir fällt ein wie hart man an der Schauspielschule arbeitete um einen Sibilant (Zischlaut) wegzubekommen. Später dann hiess es, man suche beim Sender Sprechfehler, das sei so interessant zum Zuhören. Also versuchte man sich das Perfekte wieder abzugewöhnen. Was man nicht alles tat, um ans Ziel zu kommen. In meinem Lieblingspark gibt es um die Grünflächen alte teilweise etwas mitgenommene… Zäune ist das falsche Wort,… Abtrennungen. Wunderschön mit oben Kugeln drauf und sehr dezent. Ich liebe diese Abtrennungen, wie auch die alten krustigen Wege, die genauso aussehen, wie damals, als man zum ersten Mal in Berlin war. Nun wird alles neu gemacht. Wozu? Des Geldes wegen sicherlich, es muss weg. Ich finde das weitaus irrsinniger als wenn Menschen aus Angst vor einem Sonnenbrand die Sonne meiden. Ich sitze am liebsten im Schatten des aus Stein gehauenen Nymphäums (eine Art Springbrunnen ohne Springen, sondern mit einem leisen vor sich hin plätschernden Wasserlauf) und gucke in die Baumkronen. Tue das, was einem der/die Lehrer*in immer verboten hat, träumen. Das finde ich eigentlich ziemlich gut. Einfach mal schauen was kommt. Ich bin sowieso eine grosse Anhängerin des Kasualismus (der Zufall ist der, der alles entstehen lässt). Wer sich natürlich andauernd selbst beherrschen muss, der wird das mit dem Zufall nicht so mögen. Das Katertier putzt sich wann es will, genau jetzt. Nichts sieht putziger aus, als wenn es sich mit der Vorderpfote über die Nase schrubbt. Das Wort putzig kommt genau daher! Kein Zweifel.


@ Bettie I. Alfred, 3.6.21