Entnommen

Juli 3, 2020

An der Pinnwand hängt meine ganze Weisheit. In einem Tütchen als Zahn.

Sao Paolo ist in Brasilien…

Juli 1, 2020

Ich hab Flug….naja nich angst, das wär zu viel gesagt. Sagen wir mal Flugabwehr. Also innerlich eine Abwehr dagegen in ein Flugzeug zu steigen, das nicht nur nach Hamburg oder Stuttgart fliegt. Komisch, wieso das so bagatellisierend hinten nur zeug heisst. Zeug. Also sowas wie – Irgendwas – , son Zeug eben. Son Flugzeug eben. Flugmaschine, das klingt schon anders. In Norddeutschland bedeutet Zeuch Kleidung. Einmal sagte die Frau vom Bruder aus Norddeutschland, also der Bruder ist aus Norddeutschland, die Frau aber auch, die sagte damals, dass jemand in einem Zeuchladen arbeiten würde. Ich überlegte damals krampfhaft was ein Zeuchladen sein könnte. Man erklärte mir dann, weil ich zu offensichtlich nachdachte, dass man in Norddeutschland Zeuch zu Kleidung sagen würde. Ein Zeuchladen also ein Klamottenladen sei. Faszinierend ist das doch alles. Ich staune über so etwas wirklich. Man kann sich das nämlich nicht ausdenken. Es passiert, gerade im sprachlichen Bereich, doch ne Menge in diesem geographischen Bereich, sagen wir mal zwischen der Nordseeküste und Bayern. Den Bereich kann ich sprachtechnisch zumindest ganz gut überschauen. Nun kommt die Nachricht, dass der Kurzfilm, den wir gemacht haben, oder besser den der Mann gemacht hat und bei dem ich mitgemacht habe, in Sao Paolo läuft. Also in Brasilien. Schockschwere Not. Oh, bitte nicht hinfliegen, sag ich zum Mann, als er es mir mitteilt. „Bleib ruhig, es ist ein Onlinestreaming, ohne Gäste!“ Sagt er. Ich atme auf und gleich danach kommt die andere Seite in mir hoch. Die Abenteuerlust prescht hervor und ich denke nun, man, das wärs gewesen, ich in Sao Paolo, wie in meinen Träumen, wo ich in einer fremdem Stadt stehe und nicht weiss, wo ich wohne. Die Katze steht neben mir auf dem Tisch und denkt immer nur das eine. Sie leckt dann den I-pod ab. Sie ist klug. Der ist weiss, wie alle Geräte von der Apfelmarke. Weisses ablecken bedeutet Milch haben wollen. Sie ist so klug. Wie ich. Fast. Ich singe dann spontan die Liedzeile: „Heut` fah ma mit da Geistabahn, heut schau ma uns des nüchtern aaan… Heut ghört uns die gonze Welt, heut geb ma denen Sandlern Göid!“ Immer wieder sing ich das. Der Mann kommt dann rein, er muss nebenan Steuer machen. Ob ich nun doch verrückt geworden sei, fragt er griesgrämig. Ich antworte, dass ich das nicht hoffe, aber man wisse es ja nie so genau. In der Bibliothek habe ich versehentlich einen PC-Arbeitsplatz reserviert. Ich gucke dann nochmal genau nach und sehe, dass die Bedingung das Arbeiten mit einer Stoffmaske ist. Wie soll das denn gehen? Atemlos in der Bibliothek am Arbeitsplatz? Überhaupt, wieso heisst das überhaupt Arbeitsplatz? Das ist doch keine Arbeit. Man sitzt und glotzt ins Gerät, ab und zu tippt man was ein. Nun ja, doch doch, das ist schon auch Arbeit, stimmt schon. Irgendwie ist ja auch sitzen Arbeit. Arbeit für die Muskeln. Polt sagt er geht nicht arbeiten, sondern proben. Ist auch egal wie es heisst, ich bin jedenfalls ich.

© Bettie I. Alfred, 1.7.2020