Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. Unten können sie einen sogenannten Blog lesen, den Frau Alfred neben ihrer momentanen Haupttätigkeit als Hörspielmacherin seit über zehn Jahren regelmässig schreibt. Hier geht es meist um ihren aberwitzigen Alltag, den sie als abseitige Künstlerin in ihrer tiefgreifenden Komik darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den komischen bzw. lächerlichen zu verbinden. Dies ist nicht immer möglich und ab und zu wird dem Leser auch mal das Lachen im Halse stecken bleiben. Es gibt bewusst keine Absätze, um den meist in unbefangenem Plauderton geschriebenen Beitrag wenigstens in einer klaustrophobischen Textwand darzubieten.

Qualitätspass
Collagearbeit von Bettie.I.Alfred, Nov. 2020

First Snow

Dezember 3, 2020

Bei Schulversagern kann es sich durchaus um eine Intelligenzhemmung handeln. Das passiert z.B. wenn Eltern die vielen WARUM-Fragen nicht aushalten können, weil sie die Antworten selbst nicht wissen und Angst davor haben, dass das Kind einmal mehr Titel erlangen könnte als sie selbst. Ein sehr wichtiges Thema in der Schulpsychologie. Hörte gestern Abend ein sehr zu empfehlendes Hörspiel über Mensch und Katze. Man sprach darin von Flederkatzen und Flattermakis, das gefiel mir sehr, denn Worte in denen Fleder und Flatter vorkommen empfindet mein Ohr als ungeheuer angenehm. Das Stück war u. A. zudem von einem Sprecher mit einer Charakterstimme gesprochen worden und das führte dann dazu, dass man zurückspulte, um immer wieder die Wortfetzen „Flederkatzen und Flattermakis“ zu hören. Ich staunte zudem, wie das simple Setting, ein Mann und ein Kater, also etwas was nun wirklich nichts Besonderes zu sein scheint, so einen tiefen Eindruck hinterliess und mich enorm wach machte. Natürlich weiss jeder, dass die unspektakulärsten Situationen meistens die sind, die man nie vergessen wird. Sicherlich nicht immer, einem Industriekletterer wird eventuell die Situation am meisten beschäftigen, bei der er am höchsten kam, jedoch ist der ja ein Sonderfall. Vielleicht ist es auch reine Typsache, oder muss ich jetzt „TypsternchenInnensache“ sagen? Heute gehe ich in meine Liebingsbibliothek. Ich freue mich wie ein Kind darüber, denn in diesen Zeiten, wo wirklich alles an Gedanken, die man haben soll, vorgegeben wird (auch ich muss mich andauernd in Acht nehmen nichts vorzugeben), ist dieser Ort im Gegensatz dazu ein Ort des wirklich vollkommen offenen Gehirns. Ich werde mir dort unter anderem den Film, der mich immer wieder ungeheuer bewegt hat, besonders, als ich ihn vor Jahren zum ersten Mal sah: den Herr der Fliegen von Peter Brook ausleihen. Nun schneit es tatsächlich zum ersten Mal in diesem Jahr und der Mitbewohner dreht, wie immer, wenn dies passiert, den „first snow“ auf.

© Bettie I. Alfred, während des ersten Schnees am 3.12.2020

Am ENDE des NACHWORTS

Dezember 1, 2020

Herr Henetmair berichtet im Buch über Thomas Bernhard, dass er mit seinem Sohn zusammen stundenlang, nachdem Th. B. zu Besuch bei ihnen gewesen sei, noch über ihn hätte lachen müssen. Ich überlege, ob ich schon einmal, nachdem jemand bei mir gewesen war, noch stundenlang über den gelacht habe. Nein, ich erinnere mich dann nicht an sowas. Geweint jedoch habe ich viel länger noch als ein paar Stunden, nach dem Besuch bestimmter Personen. Zum Glück hat es sich bei mir irgendwann ausgeheult. Zumindest was Menschen angeht. Bei alten Häusern oder Treppengeländern allerdings wird es sich wohl nie bessern. Habe all meine Bücher, die ein einziges Chaos bildeten, sortiert. Jeden Tag ein paar Stunden. Habe auch den Bohrschutt, der seit Jahrzehnten hinters Regal fiel, wenn ich über dem Regal neue (Hänge-) Regale anbrachte, weggesaugt. Auch das ging nicht ohne Sentimentalitäten ab. Jedes Häufchen erinnerte mich schließlich an eine Zeit. Die Zeit, in der ich noch bohrte. Eigentlich liebe ich es immer noch zu bohren. Natürlich nur, wenn keine Stromleitung im Weg ist (was in Altbauten, wo 1979 zuletzt Strom verlegt wurde, durchaus zu erwarten ist) und wenn kein Stahlträger einem das Vorankommen verweigert (was in gewissen Höhen in Altbauten immer so ist). Es ist so wundervoll abwechslungsreich in so einem verkommenen Altbau. Frage mich, ob es sowas gibt, dass ein Mensch bei Sachen mehr fühlt, als bei Menschen. Also heute sah ich einen Hauseingang der mich vom Fahrrad riss, und ich musste weinen und mich setzen. Menschen sind so unsexy gegen einen schönen Hauseingang. Ganz unsexy ist übrigens auch dieses Pandemiethema. Aber manche finden das inzwischen ganz normal als Stoff. Beim Aufräumen und sortieren meiner Bücher fand ich bei P übrigens sogar einen Pynchon. Die Versteigerung der No 49 heisst er. Ich lese das Nachwort. Es ist gut geschrieben. Darin steht, dass dieses Buch das wäre was man von P`s Büchern am ehesten noch lesen könnte, da es nicht ganz so durcheinander und abgedreht sei wie die anderen. Das finde ich lustig, dass ein Pulitzer-Preisträger, neben einem verständlichen, nur Bücher geschrieben haben soll, die keiner verstehen kann. Vielleicht stimmt es ja. Ja, wahrscheinlich stimmt es sogar und es kommt gar nicht drauf an daß man was versteht, sondern lediglich, daß man was spürt. Das Buch ist ähnlich wie das weisse Album der Beatles, ganz weiss. Der Umschlag fehlt. Jedenfalls steht am ENDE des NACHWORTS, dass es ein Buch über den NEUANFANG nach einem deprimierendem ZUSAMMENBRUCH eines Systems ist. Ich muss daran denken wie ein Bekannter, als er neulich bei einer Abstandslagerfeuer-Geburtstagssituation ein Bild geschenkt bekam auf dem sich zwei Reiter begegnen. Es war ein Druck. Der Bekannte hielt es mir hin und sagte, dass es ein langweiliges Bild sei, aber alt! So, so der Bekannte, habe es auch der Schenker begründet: deshalb habe er es als Präsent ausgewählt. Das Bild sei langweilig, aber alt! Nachdem ich das Pynchonbuch angeschaut hatte, hatte ich die ganze schlaflose, wegen Vollmond-Nacht, den Gedanken, dass ich bald ein Hörspiel über Raketen und den Sound dieser machen würde und den ich ganz hochpitschen täte, und dass es darin dann die ganze Zeit knallt. Ich beschliesse dann, dass, wenn mir noch einmal eine Frau eine Wolldecke schenken möchte (gefühlte 100 Mal ist mir das schon passiert) ich sie aus dem Telefonbuch radieren werde.

© Bettie I. Alfred