Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred.
In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen.
Unten können sie einen sogenannten Blog lesen, den Frau Alfred neben ihrer momentanen Haupttätigkeit als Hörspielmacherin (ab und zu schreibt sie auch an einem Roman, macht Collagen aus Papier oder dreht Filmsequenzen zu Sprachaufnahmen) seit über zehn Jahren regelmässig schreibt. Hier geht es meist um ihren aberwitzigen Alltag, den sie als abseitige Künstlerin in ihrer tiefgreifenden Komik darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den komischen bzw. ridikülen zu verbinden. Dies ist nicht immer möglich und ab und zu wird dem Leser auch mal das Lachen im Halse stecken bleiben.
Es gibt bewusst keine Absätze, um den meist in unbefangenem Plauderton geschriebenen Beitrag wenigstens in einer klaustrophobischen Textwand darzubieten.

 

Verfluchte Flucht

Oktober 22, 2020

Jemand sagt sein Wasserkra(h)n in der Küche sei kaputt. Er meint einen Wasserhahn. Wasserkra(h)n klingt viel besser. Ich nehme mir vor ab jetzt auch Wasserkra(h)n zu sagen. Ich bin auf der Flucht, den ganzen Tag, auf der Flucht davor dass alles einen Sinn ergeben muss. Der Un-Sinn liegt mir und doch ist es der reinste Eskapismus ihn weiterzuverfolgen. Das Wort Wasserkrahn macht Sinn, mehr als das Wort Wasserhahn und doch wird man schmunzeln, wenn ich es ab jetzt benutzen werde. Wie Cage bevorzuge ich es, wenn meine Kunst mit dem realen Leben verschmilzt. Es hat viele Gründe dass ich es anstrebe alles zu vermischen. Der Hauptgrund ist der, dass die Urkraft meiner inneren Abwehr dabei zum Zuge kommt und aber gleichzeitig auch zum Schweigen gebracht wird. Meine Haupttätigkeit ist ja das Gedanken in Formen pressen, sei es in Sprachformen oder in Bilder. Nebenher verkaufe ich Bücher in meinem Homeantiquariat. Ich habe an die 10.000 Bücher verkauft und versendet. Das hat viel Spass gemacht und Sinn ergeben. Bücher sind faszinierend. Schlimm ist, dass man für die Guten am wenigsten Geld bekommt. Für Zitadellenkultur: Über die schöne Kunst des Untergangs in den achtziger Jahren veranschlagt das System 1,80 €. Ich bin entsetzt. Ich unterhalte mich mit einem befreundeten Künstler über Hilbigs „Versuch über Katzen“. Er ist gleichaltrig und man merkt es immer wieder : Gleichaltrige können gut miteinander reden. Mit Älteren bzw. Jüngeren läuft es oft auf Mißverständnisse hinaus. Als der Vater aus dem Urlaub kam fragte er mich, ob ich eventuell versehentlich den Coupon für die kostenlose Schlupfwespenlieferung weggeworfen haben könnte, er könne diesen nicht finden. Den Coupon für eine kostenlose Schlupfwespenlieferung….. Ich stutzte nicht schlecht über diese mir nicht bekannte Thematik. Ich verneinte und ging davon aus, dass es sich um eine Gartenangelegenheit handeln würde. Im Garten fliegen Tiere umher und eine Schlupfwespe könnte bei ihm im Garten noch fehlen. Später stellte sich heraus, daß ich irrte. Die anscheinend gefrässigen Schlupfwespen wollte man nicht für den väterlichen Garten, sondern in der Wohnung ansiedeln, um den Mottenbefall des Sofas einzudämmen. Die Taz versendet eine Marge kostenlos und dieser Coupon war nun unauffindbar. In meinem Notizbuch finde ich den Ausspruch – oder ist es gar ein geflügeltes Wort ? Die Höllenabstraktion der Kurve. Wieso, weshalb, warum schrieb ich mir das auf ? Und woher hab ich das? Und welche Kurve überhaupt? Mein Gedächtnis lässt nach und ich frage mich, an was ich mich wohl als Seniorin noch erinnern werde. Sicher an die „wichtigen“ Dinge des Lebens, z.B. was Antonio (Mitschüler in der ersten Klasse) am ersten Schultag anhatte. Im Grunde wird sich also nicht viel ändern. Mir fällt ein, dass ich schon zweimal Frau Wodin beim Einkaufen gesehen habe.

© Bettie I. Alfred, 22.10.2020

Mit 50+ ins Paradies

Oktober 20, 2020

Bekomme eine sogenannte Spammail mit dem Betreff: Mit 50+ verlieben.
Frage mich wer das wollen kann. Es gibt fast keine bedrückendere Vorstellung als diese. Mit 50 ist man fertig, also gefestigt in all seinen Unsitten. Man sitzt auf dem Trapez und wartet auf den Absturz. Doch der Mensch ist und bleibt ein elender Verklärer, jedenfalls der, der diese Mail entworfen hat. ………. Ich prokrastiniere schon wieder. Meine Arbeit ist eigentlich keine Arbeit, sondern Berufung und trotzdem muss ich oft pausieren, warum weiss ich nicht. aber, es gibt immer einen Grund. Alles macht Sinn, wenn man es hinterfragt. Im Regal strahlt mich die rote Ausgabe von Freuds „Hysterie und Angst“ an. Gerne würde ich wieder einmal darin lesen. Doch ist es so, dass ich mich bewegen soll, wegen der Knochen, damit sie nicht einrosten. Lesen und bewegen gleichzeitig geht nicht. Nur ein Hörbuch könnte man beim Sichbewegen über die Ohren ins Hirn einleiten. Doch finde mal ein Hörbuch, dass einen nicht lähmt, ….. und ein Nebenbeierlebnis interessiert mich äusserst selten bzw. nie. Sowieso was für ein Widerspruch: ein Hör-Buch. Gleich muss ich zum Arzt gehen. Man kommt telefonisch nicht durch und somit ging ich neulich persönlich an den Vorsprechtresen und bat um einen Termin. Es war ziemlich leer in dem Raum und doch waren alle Mitarbeiter so aufgeregt, als sei man in einem vollgestopften Lazarett. Nachdem ich gerade mal eine Minute am Stück gesprochen hatte und klar war, dass die Rede nicht nur ein Ja oder Nein nach sich ziehen konnte, wurde die Dame am Vorsprechtresen ganz unruhig und meinte dass sie mich eigentlich nun bitten müsste zu gehen, meines eigenen Schutzes wegen, denn es sei im Moment ausschließlich Infektsprechstunde. Am Nachbarschaltpult spielte sich anscheinend ähnliches ab, denn auch den jungen Mann, der dort vorsprach, bat man zu gehen, und zwar zügig. Ähnliche Hektik kannte ich bisher nur bei Ablesungen von ungewollten Schwangerschaftstests. Es kommen immer neue interessante Aspekte zum Leben dazu. Irrationalität ist ab einem gewissen Alter andauernd gegenwärtig und wird nicht weniger. Das Virus bzw. das unsichtbare Virus hat viele verrückt gemacht. Manche machen zusätzlich zu Folien, mit denen sie sich umwickeln auch noch Gaffertape an die Übergänge. Und auch die Frage nach dem Verlieben mit 50+ erscheint mir äußerst wahnwitzig, und zwar so wahnwitzig, dass ich nun doch zu meiner Arbeit zurückkehren und diese dämliche Newsmaschine ausschalten werde. Wer kommt nur auf so dermassen dumme Thematiken…. Verlieben mit 50+. Nun ja, wenn man bedenkt, dass es Menschen gibt, die mit 40 noch Kinder wollen. Das ist doch der Irrsinn überhaupt. Nun gut, ich will nicht urteilen, aber dem Menschen, dem das als Lösung vorschwebt, der muss doch naiv sein. Ich spreche aus Erfahrungen, aber dies nur am Rande.

© Bettie I. Alfred, 20.10.2020