Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. Unten können sie einen sogenannten Blog lesen, den Frau Alfred neben ihrer momentanen Haupttätigkeit als Hörspielmacherin seit über zehn Jahren regelmässig schreibt. Hier geht es meist um ihren aberwitzigen Alltag, den sie als abseitige Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor (der ab und an gar nicht komisch ist) und einem analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den erstaunlich schönen zu verbinden. .Dies ist nicht immer möglich und ab und zu wird dem Leser auch mal das Lachen im Halse stecken bleiben. Es gibt bewusst keine Absätze, um dem meist in einem unbefangenem Plauderton geschriebenen Beitrag eine Dringlichkeit zu geben, die er nach Alfreds Meinung, immer haben sollte.

„Es sollte alles erstaunlich bleiben, denn sobald die Dinge nicht mehr erstaunlich sind, ist die Kindheit vorüber“ Ionesco

Wenn man wen nicht kennt und ein böses End

April 12, 2021

Wie gut, daß die Liste meiner mißglückten Romane so kurz ist. Denn „Romane? Das kann jeder!“. Wie es die Therese aus Canettis großartiger Blendung wohl sagen würde. Doch selbst, wenn man mal was Gutes produziert hat, kann man durch mehr oder weniger Zufall, vollkommen im falschen Film sein und selbst wenn ein Erfolg an die Tür klopfen würde, täte man ihn übersehen. Oder es handelt sich einfach um ein großes Missverständnis. Der Mitbewohner spielte einmal das Drumkit in einer Underground-Band, habe leider der Namen vergessen, ist vielleicht besser so. Jedenfalls sollte es einen Auftritt, in einem damals enorm angesehenen, und zudem vollkommen verdunkelten „Laden“ geben (man könnte auch in einer Clubkneipe sagen). Die Band hatte sich jedenfalls jahrelang vorbereitet, und das Set das sie spielen würde immer wieder bearbeitet, umgestellt und perfektioniert. Man stand dann also gegen ein Uhr früh, wie üblich in diesem Jahrzehnt, startbereit auf der sehr kleinen, aber eben wahnsinnig begehrten Bühne, drumherum die kultigsten Gestalten, die man sich denken kann, und man wollte gerade loslegen und holte schon aus, um den Jammerhaken hochzureißen, da sah er, der (der Bandleader) ihn im Publikum stehen, seinen Gott und hielt plötzlich die Luft an und zischte zum Drummer, eben dem Mitbewohner ein „Da steht Bliksa B.!“ Der Mitbewohner irritiert, weil vorm Loslegen schon eine Pause entstand, kannte keinen Bliksa B. und fragte genervt nach, weil er doch gerade einzählen wollte: „Wer?“ Der Gitarrist zischte „Na, Bliksa!“ „Wer issn des?“ fragte der Mitbewohner und ob er denn jetzt einzählen könne, oder nich? Er zählte dann einfach ein und das Konzert ging seinen Lauf. Da er der einzige Jazzer in der Band war, die andern waren eher dem modernen Underground zuzurechnen, hatte er tatsächlich, er war vielleicht damals gerade mal 17 oder 18 Jahre alt, noch nichts von diesem Bliksa B. gehört und als man ihn danach aufklärte, wer dieser Bliksa B. sei, war man so geschockt, dass er ihn nicht kannte, dass man ihn umgehend feuerte. Wie nun der Zusammenhang zu der Aussage „Roman? Das kann jeder!“ von Therese aus der Blendung ist, kann ich jetzt nicht mehr wirklich sagen, aber, ist ja egal, es ist auch so eine gute Geschichte.

© Bettie I. Alfred, 12.4.21

Tschechische Buchteln

April 10, 2021

Man bittet mich darum mal wieder Buchteln zu backen. Die Buchtel ist ein Gebäck aus der Tschechoslowakei. Sie wird oft in alten Filmen, die man in den Prager Barrandovstudios drehte, gereicht. Es ist ein großer Aufwand sie herzustellen. Es dauert sehr lange, da Buchteln aus Hefeteig bestehen und einen ganzen Tag lang gehen müssen. Ich habe es einmal gewagt sie herzustellen, nun werde ich immer wieder darum gebeten. Der Onkel weist daraufhin, als ich einmal von der „Tschechei“ sprach, daß das die Sprechweise von vor 83 Jahren sei. Ich erkläre, daß die tschechische Großmutter das aber bis in die tausender Jahre selbst so gesagt hat. Frage mich dann, ob die „Buchtel“ an sich eventuell auch schon einen historisch gesehen, schlechten „Geschmack“ erzeugt und bin mir dann aber sicher, daß die „Buchty“ immer und überall und zu allen Zeiten, egal von wem, problemlos gegessen werden darf.
Man sagt der Lockdown sei noch für ein weiteres Jahr geplant. Versuche nicht dran zu denken. In dieser Zeit sind Gehvorgänge, die sich hinziehen, natürlich gar kein Problem, aber der ganze Rest?

© Bettie I. Alfred, 10.4.21


Vertrocknete Veilchen zum Anheizen

April 9, 2021

Das Veilchen, das ich auf der Wiese ausgrub und in einen Topf setzte, war gleich am nächsten Tag hinüber. Oder nicht hinüber, aber ziemlich lebensmüde. Hätte ich es lediglich gepflückt und anschließend gepresst, könnte ich es jetzt aufkleben und als Osterpost jemandem schicken. Als Überraschung sozusagen. So, kann ich es, wenn ich noch ein bißchen warte, wenn es denn trocken genug ist zum Anheizen verwenden. Man könnte es sicher auch als Tee aufbrühen. Veilchentee. Normalerweise sind sie, also diese wunderschönen Veilchen, nicht giftig! Zumindest wenn sie nicht aus der Familie der wilden Veilchen stammen. Fragt mich allerdings mal woran man erkennt, dass ein Veilchen ein wildes Veilchen ist? Gestern Abend jedenfalls trank ich Bergtee aus dem griechischen Supermarkt, wo man übrigens weniger C.-Angst verbreitet als bei den herkömmlichen Läden. Seitdem ich übrigens mein Leben lebe, als sei ich die Tochter von einer Margaret Thatcher, anstatt die einer fühlenden Person, geht es ganz gut voran. Es ist enorm ungerecht, aber der Weg des Abgestumpften führt immer weiter nach oben, als der eines Hypersensiblen. Ihn, den Kater, stört das mit der Krise im übrigen gar nicht, im Gegenteil, er freut sich, dass nun andauernd Futter gereicht wird, weil ja immerzu jemand da ist. Zudem freut er sich ungemein, daß die sehr unangenehme, und  Fellkontaktvermeidung mit sich bringende Schizonychie (Fingernagelspaltung) des Frauchens, endlich wieder ausgeheilt ist und somit angenehmes Gestreichle nun auch wieder regelmässig Teil seines Katzenlebens darstellt. Weil Sonne zu Thomas Bernhard nicht passt, habe ich übrigens heute in der dunklen, aber heimeligen Werkstatt, anstatt im Zimmer, eine Bernhardlesung für die Katz gemacht. Ich las von ihm eine Erzählung namens MONTAIGNE. Diese Erzählung, in der er den Konflikt beschreibt, der entsteht, wenn Eltern ihre Kinder ablehnen und dann so tun als hätten die Kinder sie zuerst abgelehnt, das ganze also einfach umgedreht wird, ging mir kurz dann mal nahe. Die Erzählung machte so ungemein gut deutlich, was Kinderkriegen auch bedeuten kann: eine Art Verdrehung der Tatsachen. Heute an Karfreitag entdeckte ich im Park erneut eine wahre Veilchenkolonie. Ich grub diesmal nichts aus und aß stattdessen eins auf (wollte wissen, ob man den Duft auch schmecken kann). Es schmeckte nicht gut, aber auch nicht schlecht, keinesfalls leider so wie eines riecht, weshalb es dann auch bei einem blieb. Kurz danach drückte es mir dann am Schädel und ich wurde unruhig. Es war dann aber nur der etwas zu eng anliegende Bügel der Sonnenbrille. Nie wieder werde ich ein Veilchen ausgraben. Wenn überhaupt, werde ich mir ein Haus neben einer Veilchenkolonie bauen.

© Bettie I. Alfred, 27.3.2020

Was für Fragen

April 9, 2021

Besuch vom Nachbarskind. Ein relativ frisches Schulkind. Wir, also Mitbewohner, ich, Kind und Kater, sitzen am Küchentisch und essen viel zu trockenen Kuchen. Warum man Ostern sagt und wie das früher überhaupt mit diesem Jesus gewesen ist, will es, das Kind, dann plötzlich wissen. Ich geh schnell an den Herd. Ich kann schlecht etwas erklären. Der Mitbewohner holt dann ein Buch aus seinem Zimmer und guckt mit dem Kind sakrale Bilder an. Jesus am Kreuz. Der Mitbewohner versucht dann einen Anfang: „Also, der mit der Buxe, das ist immer INRI.“ Das Kind stutzt. Was eine Buxe sei fragt es dann. Ich geh dann aus der Küche, wo das Gespräch stattfindet, denn nun könnte alles noch mehr aus dem Ruder laufen. Ich setze mich dann auf die Couch und entdecke in einem alten Kursbuch (eine Literaturzeitschrift, nicht das Bahnheftchen) aus den 70er Jahren, zufällig ein Poster zum herausnehmen. Eine bunte Grafik ist darauf zu sehen. Eine Art Stammbaum oder etwas in der Art. Darunter steht: Der quabalistische Lebensbaum mit den zehn Sephiroth, den 22 Pfaden und seinen entsprechenden Emanationen. Drei Fremdworte die ich alle noch nie gehört hatte, alle in einer einzigen Spalte. Das Kind kommt plötzlich herein und guckt was ich mache. Ich erinnere mich flux wieder an die Küchensituation vor wenigen Minuten und daß das Kind nicht gewußt hatte was Buxe heisst. Nun guckt es auf das bunte Poster: Was ist das? Fragt es dann prompt. Ach nichts! Erwidere ich und falte das rätselhafte Papier schnell zusammen und stecke es wieder ins Buch hinein. Dann erinnere ich mich an meines Vaters Worte, als ich ihn einmal fragte was ich für ein Kind gewesen sei: Du warst eine ewig fragende Nervensäge! Hatte er geantwortet. Wieso darf eure Katze nicht raus? Fragte dann das Kind. Ich erkläre, dass die Katze, ließe man sie hinaus, nicht wiederkommen würde und daß sie aber sowieso gar nicht raus gehen möchte. Was stimmt, denn wir haben es schon einmal ausprobiert und sie kaum über die Türschwelle der Wohnung bekommen. Dann sei es wohl keine Wildkatze, sagt das Kind. Ich lache und bin dann unsicher, weil sie sehr wohl sehr wild werden kann und manchmal durch die Wohnung rast als gäbe es kein morgen. Dann ruft die Mutter von unten und das Kind ist weg. Auf einer spirituellen Internetseite lese ich dann etwas vom mosaischen Asher und, dass das quabalistisch sei. Puh, mache ich dann und denke, dass man nicht alles wissen muss. Aber, dass der mit der Buxe immer INRI ist, das sollte schon jeder wissen.

© Bettie I. Alfred, 11.4.2020